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Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, 7. Jg., 13-14 / 1998, S. 418-420 

 

 

RUDOLF HOBERG, URSULA HOBERG, DER KLEINE DUDEN - GRAMATICA LIMBII GERMANE.

(Ediþie revãzutã ºi adãugitã.) Traducere ºi adaptare de Octavian Nicolae. Iaºi: Editura Polirom, 1998, 351 S.

 

Der vor kurzem im Polirom-Verlag veröffentlichte Band ist eine neubearbeitete und durch einen Abschnitt über die Partikel erweiterte Auflage der im Jahre 1996 in Erstdruck erschienenen Grammatik mit demselben Titel. Die Arbeit läßt sich - so wie es im Vorwort (der Autoren) und in der Einleitung (des Übersetzters) erwähnt wird - in die Tradition der klassischen Grammatiken einordnen, wobei jedoch auch die Errungenschaften der modernen Linguistik verwertet werden. Das nun neu vorliegende Werk ist in zweifachem Sinne als an der Tradition orientiert zu bezeichnen: 1. Es werden vorwiegend die zwei klassischen Bereiche der Grammatik, also Morphologie und Syntax, behandelt. 2. Diese Bereiche werden auf traditionelle bzw. klassische Weise beschrieben. Durch die Einbeziehung von Abschnitten (auch wenn von einem geringen Ausmaß) die die materiellen Mittel der Ausdrucksart (Aussprache, Schrift) und die Lexik (bemerkenswert ist auch die Tatsache, daß die Redeteile nicht nur als semantisch-grammatikalische, sondern auch lexikale Klassen betrachtet werden) betreffen, orientiert sich diese Untersuchung zur Grammatik aber auch an den Ergebnissen und Forschungen der modernen Linguistik. Die behandelte Arbeit nähert sich also dem Generativismus an (aber mit der Erläuterung, daß die Ideen dieser linguistischen Richtung nicht ganz originell sind; eine Tatsache, die sogar von den Generativisten selbst zugegeben wird), der unter Grammatik eine komplette Beschreibung der Sprache versteht. Die Annäherung an den Generativismus ist auch durch die im Buch gegebene Definition des Begriffs “Grammatik” zu belegen ( im Sinne, daß die Generativisten die Syntax als generativer Teil der Grammatik definieren, der nach Regeln und strikt formalen Mechanismen, alle grammatikalisch betrachteten Morphemsketten und nur diese generiert): «die Grammatik bedeutet die Gesamtheit der Regeln nach denen wir Wörter modellieren und ordnen, um korrekte Sätze zu bilden» (siehe S.47). Die Behauptung der Autoren aus dem Vorwort, daß “sie versucht haben ein Buch zu schreiben, das, ohne Vorkenntnisse in der Grammatik zu haben, verwendet werden kann”, ein “Arbeitsinstrument vorgesehen für alljene, die Kenntnisse in der deutschen Grammatik nötig haben, entweder um zu lernen oder um diese Sprache zu gebrauchen” ist noch ein Grund die Verbindung mit der Generativen Schule herzustellen. Denn diese behauptet, daß, wenn schon die Grammatik eine Gesamtheit von Regeln mit automaten Charakter bildet, für das Beherschen der Grammatik von denjenigen, die sie verwenden, nur das Beherschen dieser Regeln nicht auch einen hohen Grad an linguistischen Kenntnissen vorausgesetzt wird. Dadurch auch die Vielfalt an Beispielen und Tabellen im “Duden”, die “für die Erklärung/Erläuterung der verwendeten Termini als auch die Beziehungen zwischen den beschriebenen Phänomenen beitragen” (siehe auch das Vorwort); andererseits, bietet die besprochene Grammatik, neben der Anführung der Basisstrukturen des Deutschen, auch zahlreiche Empfehlungen für die richtige Verwendung derselben. Im Sinne der Anbindung an die modernen Richtlinien der linguistischen Forschung ist der Bezug auf die Valenztheorie, sowie die Ergänzungen und Aktanten des Verbs, das Vorhandensein des Kapitels über Partikeln und die moderne Verwendung des Begriffs “Satzglied” (siehe unten) etc.

In der aktuellen Ausgabe - nach einigen allgemeinen Betrachtungen über die Sprache und die Kommunikation durch die Sprache, die Evolution der deutschen Sprache, die diatopischen und diastratischen Varianten der deutschen Sprache, die Wörter, die Grammatik, die Aussprache, die Schrift, die Lexik -, widmen die Autoren einen großen Raum der Morphologie und der Syntax der deutschen Gegenwartssprache.

Im Abschnitt über Morphologie, werden im Detail, die klassischen Satzteile vorgestellt - das Verb, das Substantiv, «die Ergänzungen und die Substitute der Substantive» (der Artikel und das Pronomen), das Adjektiv, die Präposition, die Konjunktion -, und ergänzt wird dies alles mit den Partikeln. Die Beschreibung der Satzglieder ist stereotyp und darum auch leicht verfolgbar, und enthält folgende Prinzipien:

• eine allgemeine Beschreibung jeder semantisch-grammatikalischen Klasse - siehe zum Beispiel, Das Verb (S. 77 ff.), Das Substantiv (S. 146ff.) etc.;
• eine Einteilung nach der Bedeutung und der lexikalen Struktur, eventuell auch andere Kriterien - siehe Das Verb (S.79);
• eine Beschreibung der Flexion nach den grammatikalischen Kategorien, zweifellos nur im Falle der flektierbaren Wörter - siehe zum Beispiel, Das Verb (S. 103 ff.), Das Substantiv (S. 149ff.), Das Adjektiv (S.218 ff) etc.;
• eine Beschreibung der syntaktischen Funktionen der meisten Satzglieder - siehe zum Beispiel, Das Adjektiv (S. 237ff.), Das Adverb (S.246ff.), Die Partikel (S.270ff.)etc.
Der Teil, in dem die Syntax behandelt wird, beschreibt:
• die syntaktische Struktur des Satzes, wo viel auf die Konstituenten des Satzes eingegangen wird, ihre Einteilung nach dem Test der Kommutation, den Beziehungen zwischen der Kombinierung der Konstituenten und der Satzart (S.278ff.) und der Satzmodelle (S.302 ff.);
• die syntaktische Struktur der Phrase, mit Bezug auf die Koordinierung und die Subordinierung im allgemeinen, bei der durch Koordinierung gebildeten Phrase und bei der durch Subordinierung gebildeten Phrase (S.335ff.);
• das Prädikat (S.282ff.) und seine Ergänzungen, also das Subjekt, das Akkusativobjekt, Dativobjekt, Genitivobjekt, Präpositionalobjekt, Prädikatsnomen, Adverbialbestimmungen (S. 284ff.);
• Umstandsbestimmung des Ortes, der Zeit, des Grundes, der Art und Weise auf Satzebene (S. 306ff.);
• die abhängigen Sätze (Umstandssätze, Attributivsätze und solche mit Ergänzungsrolle - S.323.ff.). In diesem Teil der Arbeit werden Informationen betreffend die Wortfolge im Satz (S.312ff.), die Satzfolge in dem durch Unterordnung gebildeten Satzgefüge (S.338ff.) und die Klassifizierung der Sätze nach den Zweck der Kommunikation (S.341ff.) gegeben.

Da die von uns besprochene Grammatik für den rumänischsprachigen Leser gedacht ist, ist die Darstellungsweise der Morphologie und der Syntax der deutschen Sprache derart konzipiert, daß der rumänische Leser, - was die Grammatik betrifft - jederzeit Korrespondenzen mit seiner Muttersprache herstellen kann. Die Tatsache, daß die Arbeit Merk-male einer komparatistisch strukturierten Grammatik (deutsch-rumänisch) vorweist, ist dem Übersetzer zu verdanken, der, als Kenner beider Sprache, oft in den Originaltext eingreift, um den Leser auf einige Aspekte - die ich weiters kurz erläutern werde - aufmerksam zu machen.

Ähnlichkeiten zwischen der deutschen und rumänischen Sprache. Um die Ähnlichkeiten des Deutschen mit dem Rumänischen herausarbeiten zu können, verwendet der Übersetzer eine effiziente, für den Leser nützliche graphische Methode, die er in der Einleitung ankündigt; wenn die theoretischen Ansätze für das Deutsche und für das Rumänische gelten, dann sind die Beispiele in der linken Spalte und deren Entsprechungen im Rumänischen in der Rechten, ohne hervorhebende graphische Merkmale gedruckt - siehe zum Beispiel Allgemeine Betrachtungen zu jeder semantisch-grammatikalischen Klasse, die Klassifizierung nach der Bedeutung der Verben (S.79ff.), der Substantive (S.147ff.) der Adjektive (S.210ff) die Klassifizierung der Substantive nach dem Zweck der Kommunikation (S.341ff.) usw. Wenn aber die Theorie nur die deutsche Sprache oder Unterschiede zwischen dieser und der rumänischen Sprache betrifft, dann soll die rumänische Übersetzung nur dem “Verständnis” dienen (siehe Einleitung) und wurde in eckigen Klammern wiedergegeben.

- Spezifischen Elementen der deutschen Sprache, die im Rumänischen nicht vorhanden sind, schenkt der Übersetzer große Aufmerksamkeit; - Unfeste Verbpartikeln, wie: an-: ankommen, aus-: ausladen, ein-: einladen, mit-: mitnehmen, vor-: vormachen, zu-: zuspielen etc. (S.87ff.); Zusammengesetzte Verben, wie: spazierengehen, kennenlernen, teilnehmen, volltanken etc. (S.92ff.), «verstärkende» Partikel wie: aber, auch, denn, doch, eben, etwa, ja, schon, vielleicht etc. (S.271ff.); die Trennung der Bestandteile die die “Verbklammern Prädikate” bilden, (Ist er heute zur Arbeit gekommen?) und zu einer Abgrenzung des Satzes in drei “Felder” führen: “Linkes Feld”, “Rechtes Feld”, “Mittelfeld” (S.314ff.) etc.

- Unterschiede zwischen der deutschen und rumänischen Sprache (in dem Sinne, daß manchmal dieselbe linguistische Realität, die es sowohl im Rumänischen als auch im Deutschen gibt verschiedene Darstellungen in jeder der beiden Sprachen erhält). Das Äußern bestimmter Wünsche, einer irrealen Aktion, einer Anweisung etc. wird im Deutschen durch den Konjunktiv (Konjunktiv I und Konjunktiv II) ausgedrückt. Das Rumänische hingegen verwendet andere gebeugte Modalformen dafür, wie zum Beispiel, das aus dem “etymologischen Konjunktiv” herstammende Imperativ. (“Gott behüte!”/”Fereascã Dumnezeu! - S. 111), Konditionalis (“Wenn ich Zeit hätte, käme ich mit”/”Dacã aº avea timp, aº veni ºi eu” - S.113); Indikativ Imperfekt (“Du wärst der Vater und ich wär' die Mutter; wir hätten gerade ein Baby bekommen”/”Tu erai tata ºi eu eram mama ºi aveam un bebeluº” - S.113) etc. In einigen flektierten übergebildeten Formen des Deutschen (Perfekt, Plusquamperfekt) sind die Modalhilfsverben im Infinitiv nicht im Partizip wie im Rumänischen (vergleiche “Er hat nicht gehen müssen”/”El n-a trebuit sã plece.” - S.81). Als einen der Unterschiede zwischen den beiden Sprachen erwähne ich auch denjenigen, daß im Deutschen die variablen Adjektive nicht mit dem Subjekt kongruieren, wenn sie mit Kopulaverben gebildet wird (“Sie ist neugierig”, “Die Folgen waren katastrophal” -S. 228) außer wenn sie im Superlativ stehen (“Die Westküste ist die schönste” - S. 238), im Unterschied zum Rumänischen wo die formale Übereinstimmung bei der Steigerungsstufen durchgeführt wird. (“Ea este curioasã”, “Urmãrile au fost catastrofale”, “Coasta de vest e cea mai frumoasã”).

- Terminologieunterschiede zwischen der deutsche und rumänischen Grammatik. In der deutschen Grammatik verwendet man den Terminus Präteritum, wobei in der rumänischen Grammatik “perfect” oder “imperfect” (je nach dem perfektivem oder imperfektivem Charakter der Handlung) vorkommt. Die Begriffe Dativobjekt, oder je nach Fall, Präpositionalobjekt werden im Deutschen da verwendet, wo in der rumänischen Grammatik complement indirect verwendet wird. Die deutsche Grammatik bezeichnet mit dem Begriff Satzteil nur die “Satelliten” des Prädikats, also das Subjekt, Akkusativobjekt, Dativobjekt, Genitivobjekt, Präpositionalobjekt, Prädikatsnomen und die Adverbialbestimmung, aber nicht das Attribut und die Umstandsbestimmung sowie das Prädikat. Das Prädikat, das der “Kern”, der “Organisator” des Satzes ist befindet sich auf einer höhere Stufe als die anderen syntaktischen Funktionen. Demzufolge erhält der Terminus Satzteil im Deutschen eine andere Bedeutung als in der klassischen rumänischen Grammatik, die unter pãrþi de propoziþie sowohl das Subjekt, das Prädikatsnomen, die Objekte als auch das Prädikat, die Attribute, die Umstandsbestimmungen und, insofern sie akzeptiert sind, auch die Apposition und die Satzteile mit simultaner doppelter Unterordnung versteht.

Von Prädikatsnomen spricht man in der deutschen Grammatik nur bei Substantiven oder bei den mit Kopulaverben gebildeten Nominalgruppen; die mit Kopulaverben gebildeten Adjektive werden als Adverbialbestimmung betrachtet (mit der Bemerkung, daß dieses auch prädikative Adjektive bezeichnet werden könnten) im Gegensatz zu der klassischen Grammatik, wo der Begleiter des Kopulaverbs, das als nume predicativ gilt, durch ein Substantiv (oder dessen Substitute) oder Adjektiv (oder jedwelcher Redeteil mit demselben Wert) ausgedrückt werden kann.

***

Der “Duden” stellt den gegenwärtigen Stand der deutschen Grammatik vor und spricht Leser mit einem bestimmten Bildungsniveau (sich heranbildende Jugend, Intellektuelle verschiedener Fachrichungen) an. Das Buch ist ein Arbeitsinstrument, das dem rumänischsprachigen Lerner die Möglichkeit zur Vertiefung/Nuancierung/Veredelung der Informationen über das Deutsche - als Zielsprache -, einschließlich nützlicher Kenntnisse über die Muttersprache bietet.

Ana Maria Minuþ

 

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Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, 7. Jg., 13-14 / 1998, S. 418-420  

 

 

Coordonator sectiune: Madalina Marcu | Asistenti: Cristina Caramihai | Andreea Baranga 

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