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Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, 7. Jg., Heft 1-2 (13-14) / 1998, S. 123-128

 

 

ZWEI RUMÄNISCHE FASSUNGEN VON GOETHES FAUST

Elena Viorel



I.

 

Die zwei von Lucian Blaga Und ªtefan Aug. Doinaº angefertigten Übertragungen von Goethes Faust ins Rumänische stellen zweifelsohne hochrangige Kulturereignisse der vergangenen 50 Jahre dar und sind zugleich ein Beweis der Vitalität der sie aufnehmenden und integrierenden rumänischen Kultur. Die rumänischen Forscher haben dies durchaus erkannt:

Prin apariþia noii variante a lui Faust de Goethe în chiar momentul festiv care a fost cea de a 150-a aniversare a morþii titanului de la Weimar, cultura românã oferea în 1982 încã o dovadã viguroasã nu numai a maturitãþii, dar ºi a inepuizabilelor sale potenþe creatoare (1).

1955 erschien Goethes Faust in der rumänischen Überstezung des Dichters und Philosophen Lucian Blaga, die erste rumänische Übersetzung des Gesamtwerkes, mit einem ausgezeichneten Vorwort von Tudor Vianu.
Zwei Jahre später kam eine weitere Übersetzung des Bukowinaer Dichters Immanuel Weissglas unter dem Pseudonym Ion Iordan dazu, die eigentlich bis heute im Schatten der Übersetzungen von Blaga und Doinaº geblieben ist.

1982 wurde im Univers-Verlag die Übersetzung des Lyrikers ªtefan Augustin Doinaº mit einem Vorwort, chronologischer Tabelle, Anmerkungen und kritischen Kommentaren von demselben Doinaº veröffentlicht; es geht um eine textkritische Edition in einer Auflage von 50.000 Exemplaren. 1984 erschien die zweite Ausgabe dieser Übersetzung in kleinerer Auflage, auch bibliophil, ohne Kommentare, dafür aber mit Illustrationen der Graphikerin Geta Brãtescu.

Zeitlich fällt der Anstoß zu Doinaº’ Arbeit mit dem Erscheinen der Übersetzung Blagas zusammen. Blagas Faust-Übertragung weckte in Doinaº den Wunsch, sich ebenfalls an einem solchen Unterfangen zu versuchen. Mit Doinaº, der untern anderen Dante und Mallarmé übersetzt hat, sprachen anläßlich des Erscheinens seiner Übersetzung zwei „Neuer Weg“-Redakteure, Gerhard Csejka und Emmerich Reichrath. In diesem Gespräch schätzte Doinaº Blagas Übersetzung als eine „poetische Leistung ersten Ranges“, zugleich äußerte er sich aber auch kritisch dazu:

Ich las Blagas Übersetzung mit Begeisterung, sie kam mir als poetische Leistung ersten Ranges vor, aber ich wurde den Eindruck nicht los, Blagas eigentümliche Dichterstimme lasse den Ton des Originals nicht deutlich genug durchklingen. Sodann störte mich, den Liebhaber fester Formen, auch Blagas Freizügigkeit im Umgang mit Goethes prosodischen Verfahren (2).

Ausgerechnet diese „Freizügigkeit“, diese poetische Kreativität hatten aber die rumänischen Leser beim Erscheinen der Blaga-Übersetzung begeistert. Man war geneigt, einen kongenialen Fall von „Wahlverwandtschaft“ zweier großer Dichterpersönlichkeiten darin zu sehen. Doinaº aber war davon überzeugt, daß die Vielfalt in Goethes Versbau stärker berücksichtigt werden müsse, als dies in Blagas Übersetzung geschehen war. Es wird bereits an dieser Stelle deutlich, daß Blagas Fassung als „Neu-Schöpfung“ (recreare) angesehen werden kann, während Doinaº’ Leistung sich strenger um eine Hinübersetzung des Faust ins Rumänische bemühte.

Doinaº versuchte sofort nach dem Erscheinen der Blaga-Übertragung eine Neuübersetzung und übertrug probeweise die „Zueignung“, den „Prolog im Himmel“, das „Vorspiel auf dem Theater“ und Fausts ersten großen Monolog. Das Ergebnis dieser ersten Übersetzungsversuche zeigte er seinen Freunden, vor allem Ion Negoiþescu und Radu Stanca, die manches darin gut fanden. Trotzdem rieten sie ihm, doch noch ein wenig zu warten, da er für eine solche Aufgabe noch nicht reif sei. Als Schüler Blagas, der also auch eine philosophische Bildung genossen hatte, verstand Doinaº schon früh, daß ein solches kühnes Unternehmen neben dem Eindringen in die philosophische Dimension von Goethes Lebenswerk das ständige Ringen um die Äquivalenz voraussetzt.

Das Manuskript blieb über 20 Jahre lang liegen, in der Zwischenzeit sammelte Doinaº fleißig Sekundärliteratur und versuchte, sich gründlich zu dokumentieren; er kannte zum Beispiel auch die „impressionistische“ Kritik der französischen Schule. Seit ihm diese Hilfsmittel zur Verfügung standen, arbeitete Doinaº mit gesteigerter Freude an seiner Faust-Übersetzung. (Vgl. auch „Neuer Weg“, ebd.) Das Endergebnis war ein ausgefeilter wissenschaftlicher Apparat und eine akribisch genaue Übersetzung des Faust-Textes ins Rumänische. Bekannte rumänische Literaturkritiker wie Sevillia Beyer-Rãducanu, Ovid Crohmãlniceanu, Mircea Vaida, Vasile Voia, Ioan Kohn nahmen Doinaº‘ Arbeitsergebnis begeistert auf und artikulierten sich darüber in rumänischen Literaturzeitschriften.

So wie Ion Roman, ein anderer angesehener Germanist und Übersetzer aus der deutschen Literatur anläßlich des Erscheinens von Doinaº’ Faust-Übersetzung bemerkte, brauche eine neue Faust-Übersetzung keine Rechtfertigung, da eine Übersetzung ein literarisches Werk nie erschöpfen könne. Sie sei nach I. Roman ein wiederholbarer Akt, der jedes Mal die Persönlichkeit des Übersetzers widerspiegelt, so daß es kein Wunder ist, daß beide rumänischen Fassungen von Faust in den 50er bzw. 80er Jahren von den rumänischen Kulturzeitschriften als Gipfel der Übersetzungskunst aufgenommen und gepriesen wurden. Eigentlich würde es sich lohnen, die großen Übersetzungen der Weltliteratur nach einer Zeitspanne wieder aufzunehmen, um dem sich ständig erneuernden Publikum und sich ändernden Zeiten Rechnung zu tragen (3). In der Auffassung von Blaga handelt es sich wie bei jeder literarischen Übersetzung um eine „Neu-Schöpfung“, sogar um ein „Weiterdichten“ des Originals im Geiste der rumänischen Literatursprache.

Paul Schuster-Stein erwähnt in einem Artikel zum 90. Geburtstag des Dichters und Philosophen Lucian Blaga, daß Blaga selbst in einem in der Aula der Universitätsbibliothek zu Cluj gehaltenen Vortrag von einer Faust-Nach-Dichtung in rumänischer Sprache sprach (4). Somit ist auch die Tatsache zu erklären, daß er sich manche Freiheiten erlaubte, ein paar Einzelheiten außer acht ließ, um dem rumänischen Leser den Eindruck eines Originalwerkes zu vermitteln. Blagas Ehrgeiz war, daß der neu geschaffene Text nicht den Eindruck einer „Übersetzung“ erweckt. So gesteht Balga:

Asimilarea acestui univers poetic, care este Faust, se cerea fãcutã cu toate mijloacele ºi uneltele, ce ni le pune la dispoziþie limba noastrã literarã. În alcãtuirea unor noi expresii sau formaþiuni de limbã am þinut seama, cînd era cazul, de modelele întîlnite în literatura noastrã. Un personaj mitologic, care joacã rol în actul IV din Faust II se numeºte Raufebold. I-am zis Rãzboilã. Creangã al nostru cu ai sãi Flãmînzilã, Gerilã ºi Setilã a fost naºul acestui botez (5).

Das Zitat verdeutlicht, wie sehr Blaga bestrebt war, Faust der rumänischen Literatur einzuverleiben. Dem Dichter und Philosophen Blaga waren Goethes Werk und Philosophie so vertraut, daß er Faust mit einer Leichtigkeit übertrug, die uns an die großen Dichter-Übersetzer der Weltliteratur erinnnert - so etwa an Schlegels Shakespeare-Übersetzungen in der deutschen Literatur.

Doinaº bemüht sich um eine exaktere Übertragung, die das Original bis ins Versmaß hinein respektiert. Auf die sehr zutreffende Frage der „Neuer Weg“-Reporter über die Originaltreue bei literarischen Übersetzungen antwortet Doinaº:

Ich hatte mir vorgenommen, mich zunächst in rein quantitativer Hinsicht streng an die Dimensionen des Originals zu halten; es gibt in meiner Übertragung keinen einzelnen zusätzlichen Vers, was bei keiner anderen rumänischen Übersetzung der Fall ist (6).

Die Verse sind wie in jeder kritischen Edition numeriert, was auch die vom Übersetzer erstrebte Wort- und Sinntreue widerspiegelt.

Nun ist aber bei literarischen Übersetzungen die Originaltreue ein viel komplexeres Problem, zumal bei einem solchen Meisterwerk der Weltliteratur, das vor 200 Jahren entstanden ist. Philologische Texttreue allein tut es nicht, man muß auch an die Gegenwart denken, in die diese Übertragung hineingestellt wird. Und dann ist die Übertragung eines fundamentalen Werkes der Weltliteratur ja immer auch ein Versuch, es in eine Nationalliteratur zu integrieren.

Ein anderes Problem, das in dem zitierten „Neuer Weg“-Interview mit Doinaº zum Ausdruck kommt, betrifft ebenfalls die „Treue zum Dichterischen“, denn in Faust als „opera aperta“ (offenes Werk) gibt es eine große Klarheit, aber auch Dunkles, schwer zu Ergründendes. Diese Stellen, meint Doinaº mit Recht, müßten dem Leser der Übersetzung genau so vieldeutig erscheinen wie dem Leser des Originals (7).

Was die prosodische Treue anbelangt, darf sie nicht rein technisch, mechanisch, allein als Problem des Versbaus aufgefaßt werden, denn all diese Formen des dichterischen Ausdrucks gehören in Doinaº’ Auffassung zu Goethes Poetik. Bei einem genaueren Vergleich des Originals mit den zwei Übertragungsfassungen leuchtet die Konsequenz jedes Übersetzers gegenüber seinem Vorhaben ein: eine poetische Übertragung im Sinne einer Neu-Schöpfung, einer Nach-Dichtung bei Blaga und einer poetischen, den Formen des Originals treueren Übersetzung bei Doinaº. Oft fällt es einem schwer, für oder gegen eine der Varianten Partei zu ergreifen, da die Herangehensweise der zwei Dichter an das Original unterschiedlich ist und infolgedessen beide Varianten als berechtigt erscheinen. Beim Variantenvergleich stellt sich wiederholt die Frage, welcher der zwei Dichter-Übersetzer die besten Äquivalenzen gefunden hat - dabei muß ich gestehen, daß ich oft Blagas Variante vorgezogen habe. Ein solches Urteil ist trotzdem subjektiv, da es sich bloß auf manche Stellen und nicht auf das ganze Werk bezieht.

Fest steht indes, daß die übersetzerische Einfühlung bei beiden Dichtern zu spüren ist, und daß beide nach Vervollkommnung streben, als ob sie durch ihren kreativen Wettstreit Faust bzw. Goethe widersprechen würden:
Es irrt der Mensch, solang’ er strebt...

Doinaº’ übertriebene Angst, es könnte ihm etwas entgehen, wird durch Blagas Großzügigkeit kompensiert. Diesbezüglich äußert sich Blaga selbst in Cum am tradus pe „Faust“:

Cele vreo 50 de versuri în plus, dacã sunt atîtea, ale traducerii, faþã de 12.500 ale originalului, cred cã nu înseamnã cîtuºi de puþin o diluare. [...] În privinþa rimei m-am cãlãuzit îndeobºte dupã original; am crezut însã cã pentru a reda cît mai fidel substanþa textului îmi pot îngãdui o rarefiere a rimei. Respectarea abundenþei de rime, proprie originalului, mi-ar fi creat dificultãþi tehnice grave, cu repercusiuni nefavorabile asupra redãrii substanþei poetice (8).

 

II.

Zur Veranschaulichung habe ich Fausts ersten Monolog aus dem ersten Akt in der Übesetzung von Blaga gewählt (9):

Am studiat cu rîvnã, ah, filozofia
Din scoarþã în scoarþã, dreptul, medicina,
ªi din pãcate chiar teologia,
Arzînd de zel.
ªi iatã-mã acum un biet nebun,
Cuminte ca ºi mai-nainte.
În faþa semenilor sînt magistru sau chiar doctor.
De atîþia ani înþelepciunea o încerc,
Îmi port de nas discipolii
De-a curmeziºul sau în cerc.

Dieselbe Stelle in der Übersetzung von ªtefan Aug. Doinaº (10):

O viaþã-ntreagã, ah! Filozofia
Dreptul ºi Medicina-am studiat,
ªi din pãcate chiar Teologia,
Temeinic ºi cu zel înflãcãrat.
ªi-acuma, biet nebun, stau fãrã rost
La fel de înþelept precum am fost.
Magistru-mi zic, ºi doctor chiar
ªi de vreo zece ani mãcar
În sus ºi-n jos fãrã popas
Îmi duc mereu discipolii de nas.-
Dar nu putem sã ºtim nimic, vãd bine!

Doinaº ist bestrebt, sogar die topische Struktur des Originals zu behalten. So wird in den ersten vier Versen eine Modalbestimmung ausgeklammert, die in der Übersetzung von Doinaº ebenfalls markiert erscheint, denn Topikalisierungen sind nicht zufällig. Bei Blaga steht die neutrale Wortstellung, und das Verb im Perfekt erscheint bereits im ersten Vers. Bei Doinaº stehen die Substantive „Filozofia, Dreptul, Medicina“ groß geschrieben, da sie die Eigennamen der vier Fakultäten der mittelaterlichen Universität darstellen. Auch aus dem Syntagma „mit heißem Bemühen“ gehen die zwei vorher genannten Übersetzer-Tendenzen hervor: „arzînd de zel“ (Blaga), „cu zel înflãcãrat“ (Doinaº). „Bemühen“ erscheint in beiden Fällen als „zel“, das Epitheton „heiß“ wird als solches nur von Doinaº übersetzt, Blaga verwandelt es in ein synonymes Gerundiv.

Dieselbe für die Übersetzung von Blaga charakteristische Metamorphose und eine treuere Wiedergabe bei Doinaº, kann auch weiterhin festgestellt werden. Das Adverb „durchaus“ neben dem Verb „studiert“ wird bei Blaga durch Wiederholung verdoppelt und dadurch hervorgehoben, während es bei Doinaº für nicht so wichtig empfunden wird und eine neutrale Wiedergabe erfährt. Das Prinzip der Einsparung linguistischen Materials im Sinne der für das Deutsche typische synthetische Konzentration ist charakteristisch für Doinaº, im Vergleich zu Blaga, der aus Reim- oder Rhythmusgründen manchmal ganze Sätze hinzufügt.

Daß ich nicht mehr mit sauerm Schweiß
zu sagen brauche, was ich nicht weiß.
Sã nu mai fiu silit cu fruntea în sudoare
Sã spun ce nu ºtiu cînd mã-ntreabã fiecare.

Wortartwechsel ist eher bei Blaga anzutreffen, Umschreibungen sind bei beiden Übersetzern gang und gäbe und rühren von der unterschiedlichen Struktur beider Sprachen her. Getreu seinem Prinzip der Kompensationen, nach dem Verluste an einer Stelle sich durch Gewinn an anderen ausgleichen, verzichtet Blaga an manchen Stellen auf den Reim und führt ihn an anderen ein, wo er im Original nicht zu finden ist.

Ihr schwebt, ihr Geister, neben mir
Antwortet mir, wenn ihr mich hört.
Voi spirite, pe lîngã mine cînd plutiþi
Rãspundeþi-mi, de-ar fi sã m-auziþi.

Doinaº verzichtet auf das Verb „schwebt“ – „plutiþi“, das sich bei Blaga mit „auziþi“ reimt, um die metrische Struktur einzuhalten:

O, spirite, - adunate sub tavan,
Rãspundeþi dacã m-auziþi!

in dem für „schwebt“ – „adunate sub tavan“ erscheint, was ebenfalls eine semantische Überinterpretation bedeutet. Die getreuere Übersetzung des Verbs „schweben“, so wie sie bei Blaga vorkommt, zeugt von einer größeren Adäquanz zum Text. Und die Beispiele könnten fortgesetzt werden, sie veranschaulichen die Konsequenz jeden Dichters gegenüber seinem auch theoretisch definierten Prinzip, was an sich für die Qualität beider Übersetzungen spricht.

 

III.

 

Blagas Perspektive ist die eines Dichters par excellence, während sich bei Doinaº die dichterische Inspiration mit der Akribie des Wissenschaftlers und Literaturkritikers verbindet. Als Leitlinie für Doinaº mag deshalb gelten: Übersetzen - so getreu wie möglich und so frei wie nötig. Meiner Meinung nach ist es kaum möglich, Werturteile bezüglich der Überlegenheit einer der zwei rumänischen Faust-Fassungen aufzustellen - auf Schritt und Tritt erlebt man bei beiden Dichtern angenehme Überraschungen, denn beide Fassungen repräsentieren eine Bereicherung der rumänischen Sprache und Kultur und beide berücksichtigen die ästhetische Komponente einer Übersetzung, so daß der rumänische Leser die stilistischen Merkmale des deutschen Faust-Textes nachempfinden kann.

Nicht unerwähnt möchte ich lassen, daß ein wichtiger Unterschied gerade darin bestand, daß Blaga nur vier Jahre Zeit für seine Übertragung zur Verfügung hatte, während sich Doinaº über 20 Jahre lang dem Übersetzen des Goetheschen Faust widmen konnte. Im Unterschied zu Doinaº, der Blagas hervorragende Übersetzung heranziehen konnte, hat Blaga von den vorhergehenden Faust-Übersetzungen nicht Gebrauch machen können:

Mãrturisesc cu regret, cã traducerile anterioare ale lui Faust, fãcute în româneºte nu mi-au fost de nici un folos pentru lucrarea mea. Nu le puteam socoti în nici un fel ca etape pregãtitoare ale muncii la care mã angajam. (11)

Ein weiterer Unterschied besteht darin, daß Blagas Übertragung eine Auftragsarbeit war, der er sich 1951 sehr gerne annahm, während Doinaº seine Übersetzung als persönliche Herausforderung und als Erwiderung auf Blagas Leistung verstand. Diesbezüglich schrieb Blaga:

Cînd, în 1951, am fost întrebat în cadrul iniþiativei luate de Uniunea Scriitorilor, dacã n-aº fi dispus sã traduc o piesã de Shakespeare, am rãspuns numaidecît: Da, ºi am adãugat: ‘Aº prefera pe Hamlet.’ Mi s-a rãspuns: ‘Din pãcate Hamlet e dat unui alt scriitor, dar s-ar putea Macbeth’. ‘N-am nimic împotrivã’, am rãspuns, ‘dar în cazul acesta aº prefera pe Faust al lui Goethe. Îmi vine mai bine. (12)

Auch muß man sich vorstellen, daß Blaga die Muße einer intensiven wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Faust versagt blieb. Unter den Argusaugen der Securitate und eines vom Stalinismus geprägten Jahrzehnts, waren Blagas Arbeitsbedingungen eingeschränkt.

Für mich bleibt es dabei, daß beide rumänischen Fassungen von Goethes Faust einander ergänzen, und zwar in dem Sinne, daß manche Stellen Blaga, andere hingegen Doinaº besser gelungen sind und daher philologisch geschulten Lesern beide zu empfehlen sind. Eine Verschmelzung gelungener Stellen der verschiedenen Faust-Übersetzun-gen schien manchem Kritiker nicht unmöglich:

Sã ne mai fie îngãduitã o opinie - proprie, adicã subiectivã ºi, deci, din start atacabilã: în cazuri ca acestea al existenþei în timp a mai multor “tentative”, e o mare risipã de creativitate ºi de inteligenþã sã o tot iei mereu de la capãt, sã desþeleneºti iarã ºi iarã. Orice nouã “tentativã” ar trebui sã profite de anterioarele în sensul preluãrii, declarate în note, a pasajelor considerate de majoritatea cititorilor ca izbutite ºi al concentrãrii forþelor proprii spre desferecarea “lacãtelor” încã “închise”, dînd apoi unitate întregului sub semnul propriei personalitãþi, al acelei “intuiþii esenþiale”, dar ºi al noii trepte atinse de limbã în evoluþia ei. Cã nici atunci nu va fi totul perfect - este limpede. Dar distanþa faþã de etalon s-ar putea micºora, credem, esenþial în profitul ambelor opusuri. dar - poate cã ºi o asemenea soluþie nu este decît o utopie... (13)

Dadurch, daß sich sowohl Blaga als auch Doinaº theoretisch zu ihrer Übersetzerarbeit geäußert haben, kommen sie den Übersetzungskritikern entgegen. Blaga hat sich mit diesem Problem viel eingehender befaßt und tiefe Erkenntnisse aus der Werkstatt des Übersetzers verraten:

Cer în privinþa aceasta îngãduinþa largã a cetitorilor, cãci despre un traducãtor prin sufletul cãruia a trecut pîrjolul lui Faust, se poate presupune cã are ceva de spus, atît despre problema, în general, a transpunerii poeziei dintr-un grai în altul, cît ºi despre problema specialã a traducerilor în condiþiile concrete ale literaturii noastre. (Ebd., S. 85.)

Zusammenfassend kann gesagt werden, daß es ein glücklicher Fall war, daß zwei renommierte zeitgenössische rumänische Dichter sich Goethes Faust angenommen und auf diese Weise die rumänische Sprache und Kultur durch ihre jeweils verschiedenen Versionen bereichert haben.


Literatur:

1. Goethe: Faust. Tragedie. În româneºte de Lucian Blaga. Prefaþã de Tudor Vianu. Editura de Stat pentru Literaturã ºi Artã. Bucureºti 1955.

2. J. W. Goethe: Faust. Partea I, II. Traducere, introducere, tabel cronologic, note si comentarii de ªt. Aug. Doinaº. Editura Univers. Bucureºti 1982.

3. Blaga, Lucian: Cum l-am tradus pe „Faust“. In: Steaua, 5/1957, S. 85-91.

4. „Treue zum Dichterischen“. Interview mit ªtefan Augustin Doinaº. In: „Neuer Weg“ vom 4. April 1982, S. 3.

5. Roman Ion: ‘Faust’ într-o nouã versiune româneascã. In: România literarã, 16. Juli 1981, Nr. 29.

6. Viorel Elena: Douã ipostaze româneºti ale lui „Faust“. In: Steaua, 7/1982, S. 9.

7. George Guþu: O nouã versiune a lui “Faust” de Goethe în româneºte. In: Limbile moderne în ºcoalã, 1/1986, p. 49-61.

8. Voia Vasile: Tentaþia limitei ºi limita tentaþiei. Glosse la mitul faustic. Editura Dacia. Cluj-Napoca 1997.

9. George Guþu: Echivalenþe lingvistice în noua versiune a lui “Faust” de Goethe în româneºte. In: “Die Sprache ist das Haus des Seins”. Sprachwissenschaftliche Aufsätze. Hg. v. George Guþu und Speranþa Stãnescu. Paideia: Bucureºti 1998, p. 305-320.

10. Petru Forna: Congenialitate ºi standard. O posibilã criticã a traducerii: “Faust” de Goethe în tãlmãcirea lui Lucian Blaga ºi ªt. Aug. Doinaº. In: Caietele Blaga. Cluj-Napoca/Paris, 1998, p. 8.

 


ANMERKUNGEN:

(1) George Guþu: O nouã versiune a lui “Faust” de Goethe în româneºte. In: Limbile moderne în ºcoalã, 1/1986, p. 49.

(2) Vgl. Neuer Weg, Tageszeitung der Deutschen in Rumänien, vom 24. April 1982, S. 3.

(3) Vgl. auch Ion Roman: ‘Faust’ într-o nouã versiune româneascã. In: România literarã, Nr. 29 vom 16. Juli 1981.

(4) Vgl. Paul Schuster-Stein: Lucian Blaga. Zum 90. Geburtstag des Dichters und Philosophen. In: Volk und Kultur, 5/1985, S. 46.

(5) Vgl. Lucian Blaga: Cum am tradus pe „Faust“. In: Steaua, 5/1957, S. 89.

(6) „Neuer Weg“, ebd.

(7) Neuer Weg, ebd.

(8) Lucian Blaga: Cum am tradus pe „Faust“, a.a.O., S. 88.

(9) Vgl. Goethe Faust. Tragedie. În româneºte de Lucian Blaga. Editura de Stat pentru Literaturã ºi Artã, Bucureºti 1955, S. 49.

(10) Goethe: Faust. Partea I ºi Partea a II-a. Traducere, introducere, tabel cronologic, note ºi comentarii de ªtefan Aug. Doinaº. Univers: Bucureºti 1982, S. 58.

(11) Lucian Blaga, Cum am tradus pe „Faust“, a.a.O., S. 86.

(12) Lucian Blaga, Cum am tradus pe „Faust“, S. 86.

(13) George Guþu: Echivalenþe lingvistice în noua versiune a lui “Faust” de Goethe în româneºte. In: “Die Sprache ist das Haus des Seins”. Sprachwissenschaftliche Aufsätze. Hg. v. George Guþu und Speranþa Stãnescu. Paideia: Bucureºti 1998, p. 318.

 

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