Home | BAC/Teze | Biblioteca | Jobs | Referate | Horoscop | Muzica | Dex | Games | Barbie

 

Search!

     

 

Index | Forum | E-mail

   

 Bine ati venit in sectiunea dedicata limbii si literaturii germane. In aceasta sectiune veti avea posibilitatea sa descoperiti multe lucruri utile care speram sa va ajute la cursuri. Willkommen bei ScoalaOnline!

 

 
 
 
 
 + Click:  Grupuri | Newsletter | Portal | Ziare,Radio/TV | Forum discutii | Premii de excelenta | Europa

 

 

 

Zuruck zum index

Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

 

 

Translatorische Fehläquivalenzen. Vergleichende Analyse rumänischer Benn-Übersetzungen

 

Grigore Marcu


 

Die translatorischen Fehläquivalenzen (oder auch Fehlleistungen) werden - aus unserer Sicht - von einem Phänomen geprägt, das man als „Domino-Effekt“ bezeichnen könnte: Dies bedeutet, daß jene Fehläquivalenz, die auf einer bestimmten (phonetisch-graphemischen, lexikal-semantischen, gram-matischen) Textebene auftritt, auf alle nachfolgenden Textebenen - unabwendbar - hinüberwirkt.

Die übersetzerischen Fehlleistungen sind Abweichungen von der Vorlage, die derart schwerwiegende (lexikal-semantische, gram-matische und stilistische) Verzerrungen des Originaltextes zeitigen, daß die „dichterische Botschaft“ in ihrer Wesenheit beeinträchtigt wird.

Im folgenden wollen wir verschiedenartige Fehläquivalenzen am Beispiel rumänischer Benn-Übersetzungen analysieren.

A. Fehläquivalenzen:

1.0 Die Kürzung des Originaltextes

O. Karyatide (In: Gottfried Benn: Gedichte, 3.Band, S. 45)

3. Str., V. 3 „sieh, Venus mit den Tauben gürtet ...“

 V. 5 „sieh dieses Sommers letzten blauen Hauch ...“

 V. 7-8 „tagen sieh diese letzte Glück-Lügenstunde ...“

U. (Nina Cassian) Cariatidã (In: Poezia germanã modernã, 1.Band, S. 143)

3. Str., V. 3 „Venera cu hulubi îºi leagã roze ...“

 V. 5 „E ultimul, albastrul suflu-al verii ...“

 V. 7 „Cel de pe urmã ceas al fericirii ...“

Dreimal, in forderndem Verbalstil - mit dem Verb „sehen“ (Imperativ, Singular) als gemeinsames lexikal-grammatisches Element - wendet sich das lyrische Ich (in der 3. Strophe des Originals) an die Karyatide: V. 3 „sieh“; V. 5 „sieh“; V. 7 „tagen sieh“. Diese kontextuell sinnstiftenden Aufrufe fehlen in der Übersetzung, so daß der Bezug zur "Karyatide" - Anlaß zu Evokation und Aufforderung als lyrischem „Du“ - gänzlich abhanden kommt.

2.0 Die graphemische Verwechslung

O. (G.B., 27) D-Zug

V. 5 „Reif gesenkt, zu griechischem Glück.“

U. (Cassian, 145) Tren expres

V. 5 “Roua arsã, spre-o fericire greacã.“

Es ist anzunehmen, daß die Übersetzerin den graphemischen Aspekt des originalen Lexems „gesenkt“ (Partizip Perfekt: „senken, senkte, gesenkt“) mit dem graphemischen Aspekt eines andern deutschen Lexems – „gesengt“ (Partizip Perfekt: „sengen, sengte, gesengt“) - verwechselt hat.

2.1 Die lexikal-semantische Fehläquivalenz

Die zwangsläufige Folge der obigen graphemischen Verwechslung ist die lexikal-semantische Fehläquivalenz, denn die beiden Lexeme sind nicht nur von der Graphemik, sondern auch von der Semantik her unterschiedlich: „senken“ = „a coborî, a apleca, a cufunda“ und „sengen“ = „a pârli, a pârjoli, a arde“. Es erübrigt sich zu sagen, daß die im Original und in der Übersetzung entworfenen dichterischen Bilder überhaupt nicht deckungsgleich sind.

3.0 Die lexikale Verwechslung

O. (G.B., 32) Kurkonzert

V. 7 „Du, Glockenblumen in den Schal gebunden, …“

[u.Ü: Tu, (având) campanule împletite în ºal/basma]

U. (D. Constantinescu, 146) Concert balnear

V. 7 „Tu, campanulã încremenitã-n clinchet, ...“

An diesem Beispiel kann eine (mögliche) Fehlerquelle erklärt werden, die in der Verwechslung zweier AS-Lexeme besteht, deren graphemisch-phonematische Bilder - außer kleinen, jedoch sinnbestimmenden Detail-Ausnahmen - identisch sind: Es darf angenommen werden, daß der Übersetzer das Original-Lexem „Schal“ mit dem Lexem Schall verwechselt hat.

3.1. Die semantische Fehläquivalenz

Die oben angeführte lexikale Verwechslung führt - als "Domino-Effekt" - zu einer semantischen Fehläquivalenz, denn die beiden Lexeme sind semantisch gänzlich verschieden: „Schal“ (= ºal, fular, basma) und Schall (= sunet, „clinchet“).

Letztendlich folgt daraus - ebenfalls aus der Perspektive des "Domino-Effektes" - auch die Verzerrung des dichterischen Original-Bildes, da folgende wunderliche "dichterische" Botschaft aus dem übersetzten Text zu entnehmen ist: Das lyrische Ich wendet sich nicht - wie im Original - an die verehrte-(geliebte) Frau, die „Glockenblumen“ in „den Schal gebunden“ (hat), sondern an eine „Glocken-blume“ („Tu, campanulã ...“), die im / zu Schall (= „în clinchet“) erstarrt (= „încremenitã“) ist.

 

4.0. Die fehlerhafte Auswahl der semantischen Felder

O. (G.B., 8) Schöne Jugend

Der Mund eines Mädchens, das lange im Schilf gelegen hatte, / sah so angeknabbert aus.“

U. (Doinaº, 38) Tinereþe frumoasã

Gura unei fete ce zãcuse mult timp în stuf / era tare roasã de apã.“

Das obige Beispiel zeigt, wie ein übersetzerischer Kunstgriff - die erläuternde Erweiterung - in eine (unbeabsichtigte) übersetzerische Fehläquivalenz (d.i. die fehlerhafte Auswahl der semantischen Felder) umgewandelt werden kann. Ihr eigentlicher Ursprung ist die falsche Interpretation des dichterischen Original-Bildes: Nicht „das Wasser“ (Ü.“de apã“) hat den Mund eines Mädchens angeknabbert“, (im Deutschen sowieso eine semantische Unmöglichkeit), sondern die „jungen Ratten“. Hätte es der Übersetzer dabei belassen, die Verszeile mit dem Adjektiv „roasã“ abzuschliessen, so hätte man von einer semantisch-bildhaften Äquivalenz sprechen dürfen; er aber erweitert die Original-Verszeile durch ein erläuterndes Syntagma: „roasã de apã“ (= vom Wasser benagt / zerfressen). Die Folge ist eine übersetzerische Fehlleistung: Der gedanklich-semantische Bezug wird - vom Lexem „roasã“ her - nicht zum Lexem „ºobolani“ (= „Ratten“), sondern zum Lexem „apã“ (= Wasser) hergestellt.

Im folgenden führen wir ein anderes Beispiel an:

O. (G.B., 7) Kleine Aster

V. 4; V. 6-7 „Als ich ... // mit einem langen Messer// Zunge und Gaumen herausschnitt, ...“

U. (Doinaº, 13) Mica steliþã

V. 4; V. 6-7 „Cînd .. // i-am retezat cu un lung bisturiu //beregata ºi limba, ...“

Der Übertragende setzt ein Verb (als Prädikat) ein ("i-am retezat"; Infinitiv: a reteza = dt. abhauen, abschneiden, abstutzen), dessen semantische Felder mit jenen des deutschen Verbs (Prädikats: „herausschnitt“; Infinitiv: herausschneiden = rum. a scoate tãind, a tãia, a extirpa) nur vage deckungsgleich sind. Hinzu kommt noch, daß in die fehlerhafte Semantik-Auswahl auch das Akkusativobjekt des besprochenen Satzes mit einbezogen wird: „i-am retezat beregata“ (= ich habe ihm die Kehle durchgeschnitten).

Ein letztes Beispiel:

O. (G.B., 77) Orphische Zellen

4. Str., V. 1-8 „Nun mag den Sansibaren / der Himmel hoch und still, / eine Insel voll Nelkenwaren / und der Blüte der Bougainville, / wo sie in Höfen drehen / die Mühlen für Zuckerrohr, /nun mag das still vergehen: / Er tritt als Opfer vor."

U. (Doinaº, 71) Celule orfice

4. Str., V. 1-8

„Zanzibarezul râvneºte o boltã

înaltã, de liniºti adânci;

o insulã cu garoafe, involtã,

cu roz bougainville printre stânci,

cu mori mãcinând în curte afarã

lungi trestii de zahãr, molcum,

ºi toate acestea încet sã disparã -:

El suie ca victimã-acum.“

In der 4. Strophe läßt das lyrische Ich die Heimat der Sansibaren in ihren wesentlichen (allerdings etwas idyllenhaften) Zügen erstehen: Über der ehemaligen deutschen Insel-Kolonie wölbte sich „der Himmel hoch und still“; voller „Nelkenwaren“ und „Blüten der Bougainville“ war das Eiland; in den Höfen drehten die Einheimischen „die Mühlen für Zuckerrohr“. Am Anfang (V. 1) und am Ende der Strophe (V. 7) setzt das lyrische Ich abwägende Akzente, ehe es im letzten Vers (V. 8) schlußfolgernd waltet: Selbst wenn dieses paradiesisch anmutende Dasein eines Tages dem Untergang geweiht sein wäre, träte Er (der Okzident) als Opfer vor.

Gewisse Details, anhand deren Benn sein Sansibar-Bild entwarf, können durch zeitgenössische Quellen bestätigt werden.[1]

Dem Lexikonartikel ist zu entnehmen, daß auf Sansibar u.a. Zuckerrohr (O.4. Str.,V. 6 „die Mühlen für Zuckerrohr“ = Ü.4. Str.,V. 6 „trestii de zahãr“) und Gewürznelken (= cuiºoare), aber nicht Nelken (= „garoafe“) gediehen. Das originale Hauptwort „Nelkenwaren“ - ein wahrscheinlich von Benn geprägtes Lexem - führt das deutsch-rumänische Wörterbuch nicht an; es ist nur folgender Hinweis zu finden: „Nelke, -en, f. 1. garoafã 2. V. (siehe) Gewürznelke“. Der Übersetzer hat es offenbar, zum einen, unterlassen, im Wörterbuch weiter nachzuschlagen, um sich über die Bedeutung des Lexems "Gewürznelke, -n, = f. cuiºoarã" zu informieren; zum andern hat er es unterlassen, sein Sansibar-Bild anhand von Nachschlagewerken zu verdeutlichen. Die Folge davon ist, daß die wirtschaftlich relevante Ausfuhrware Sansibars ("Nelkenwaren" = Gewürznelken = cuiºoare) durch ein zwar ästhetisches Schauobjekt (Blume = Nelke = "garoafã") ersetzt wird, das jedoch semantisch-denotativ mit dem Original überhaupt nicht äquivalent ist.

4.1. Die Verkennung der Polysemie

 

O. (G.B., 208) Ein Wort

1. Str., V. 1 „Ein Wort, ein Satz -: ...“

U. (Doinaº, 124) O vorbã

1. Str., V. 1  „O vorbã - un salt -: ...“

(u.Ü. ein Sprung)

Das Lexem „Satz“ weist eine beachtliche Polysemie auf: 1. propoziþie; 2. frazã; 3. parte a unei compoziþii muzicale; 4. salt, sãriturã; 5. drojdie, zaþ; 6. zaþ, culegere; 7. serie, set; 8. porþie; 9. cuib; 10. set; 11. contingent; 12. tezã, teoremã; 13. preþ; 14. ºarjã.

Der Übersetzer, der zwischen der 1.(propoziþie), 2.(frazã) und 4.(salt, sãriturã) Bedeutung zu wählen hatte, hat sich (fälschlicherweise) für die 4. Bedeutung ("salt") entschieden.

Unseres Erachtens läßt der Kontext des Benn'schen Gedichtes nur die lexikal-semantische Bedeutung ("ein Satz = 1.propoziþie; 2.frazã) zu, jedoch nicht die hier abstrus anmutende Bedeutung ein Sprung = 4."salt", sãriturã.

5.0. Die grammatische Fehläquivalenz

5.1. Die morphologische Fehläquivalenz

O. (G.B., 14) Mann und Frau gehn durch die Krebsbaracke

4. Str., V. 1 „Hier diese blutet wie aus dreißig Leibern.“

U. (Doinaº, 40) Bãrbat ºi femeie mergând prin pavilionul canceroºilor

4. Str., V. 1 „ãsta de-aici ºiroaie ca din douãzeci de trupuri.“

Dem Originaltext ist zu entnehmen, daß die Patienten der Krebsbaracke Frauen waren; dies leuchtet dem Übersetzer nicht immer ein, so daß er statt des originalen weiblichen Demonstrativpronomens ("diese" = aceasta/asta) das männliche Demonstrativpronomen ("ãsta" = dieser) einsetzt.

Im folgenden führen wir ein anderes Beispiel an:

O. (G.B., 14) Mann und Frau gehen durch die Krebsbaracke

6. Str., V. 2 „Du siehst die Fliegen.“

(u.Ü. Tu priveºti/vezi muºtele)

U. (Doinaº, 41) Bãrbat ºi femeie mergînd prin pavilionul canceroºilor

6. Str., V. 2 „Priveºte muºtele.“

Der originale Aussagesatz ist unmotiviert in einen Imperativsatz umfunktioniert worden; der "Domino-Effekt" ist auch an diesem Beispiel ersichtlich: Von der lexikalisch-grammatischen Ebene wirkt die Fehläquivalenz auf die stilistische Ebene hinüber. Es ist aber nicht auszuschließen, daß es sich um einen graphemisch bedingten Fehler (Tippfehler) handelt: statt des Graphems -i- ("priveºti" = du siehst) wurde fälschlicherweise das Graphem -e- ("priveºte" = sieh!) eingesetzt.

Ein letztes Beispiel:

O. (G.B., 45) Karyatide

1. Str., V. 1-2 „Zerbirst / die Höhle, die dich knechtet!“

(u.Ü. care te înrobeste)

U. (Doinaº, 29) Cariatidã

 

1. Str., V. 1-2 „Sparge / peºtera care te-a-nrobit!“

Im Benn'schen Gedicht ruft das lyrische Ich die "Karyatide" auf, die sie - jetzt - "knechtende Höhle" zu "zerbersten"; in der Übersetzung steht das Verb (= Prädikat) des Relativsatzes im Perfekt („care te-a-nrobit“ = die dich geknechtet hat), so als ob die vergangene "Höhlen-Knechtung" der "Karyatide" nur in der Gegenwart aufgehoben werden könnte.

5.2. Die syntaktische Fehläquivalenz

O. (G.B., 47) Ikarus

3. Str., V. 4-5 „ausrauschst du aus den Falten, Sonne, / allnächtlich Welten in den Raum – “

U. (Doinaº, 33) Icar

3. Str., V. 4-5 „tu, soare, izbucneºti noapte de noapte / din faldurile lumilor din spaþiu –“

Entworfen wird im Original das der Gestirnphysik künstlerisch nachempfundene Bild von der Sonne, die allnächtlich Welten aus (ihren) Falten in den Raum ausrauscht; ein gänzlich verzerrtes Bild in der Übersetzung: die Sonne rauscht allnächtlich aus den Falten der Welten in den Raum aus.

Die Quelle dieser Fehläquivalenz ist die Verzerrung der syntaktischen Bezüge: Das originale Akkusativobjekt "Welten" wird in der Übersetzung (fälschlicherweise) zu einem Attribut ("lumilor") umfunktioniert.

Im folgenden führen wir ein anderes Beispiel an:

O. (G.B., 45) Karyatide

3. Str., V. 3-4 „sieh, Venus mit den Tauben gürtet / sich Rosen um der Hüften Liebestor –

U. (Doinaº, 29) Cariatidã

3. Str., V. 3-4 „priveºte: Venus cu-o ghirlandã de hulubi ºi roze / tiveºte poarta de iubire-a coapselor –

Hier greift der Dichter wieder zu einem Mythologem, das der gleichen Sphäre wie der „trunkene Silen“ (1. Str., V. 4) entlehnt wird: „Venus“ – „Tauben“ und (danach) „Rosen“ sind ihre Attribute.

Zum einen übersieht der Übersetzer, daß „Venus mit den Tauben“ ein feststehendes bildliches Symbol ist: Aus denotativer Perspektive ist es deshalb falsch, das Original-Syntagma „Venus mit den Tauben“ mit dem Syntagma „Venus cu-o ghirlandã de hulubi ºi roze [= Venus (gürtet) mit einem Tauben- und Rosengehänge] gleichzusetzen.

Zum andern: Während im Original der Bezug des Prädikates („gürtet sich“) nur zum Akkusativobjekt („Rosen“) hergestellt wird, sieht der Übersetzer einen (falschen) grammatischen Zusammenhang zwischen dem Prädikat („tiveºte“ = gürtet) und zwei Akkusativobjekten: „cu-o ghirlandã de hulubi ºi roze“ (= mit einem Gehänge aus/von Tauben und Rosen).

Ein anderes Beispiel:

O. (G.B., 76) Orphische Zellen

1. Str., V. 1-8

Es schlummern orphische Zellen

in Hirnen des Okzident,

Fisch und Wein und Stellen,

an denen das Opfer brennt,

die Esse aus Haschisch und Meten

und Kraut und das delphische Lied

vom Zuge der Auleten,

wenn er am Gott verschied.“

 

 

U. (Doinaº, 71) Celule orfice

1. Str., V. 1-8

Celule orfice somnoleazã

în creierii-Occidentului; vin

ºi peºte ºi incinte þin treazã

para unui sacrificiu pãgîn;

cuptor din haºiº ºi din mieduri

ºi ierburi ºi delficul cînt

al cortegiilor, cînd Auletul

adoarme-ntru Domnul cel sfînt.“

 

Wir sind geneigt, den Ursprung der obigen übersetzerischen Fehläquivalenzen in einer verzerrten textanalytischen Rezeption zu suchen. Anscheinend hat der Übersetzer die dichterischen Vorstellungen und Bilder Benns falsch interpretiert und somit fehlerhaft wiedergegeben: Auch heute noch ruhen in „Hirnen des Okzident“ - so Benn - verborgene (u.a. poetische) Reminiszenzen aus mythischer Zeit („Es schlummern orphische Zellen // in Hirnen des Okzident“), trotzdem („wenn“ auch) "der heidnische Okzident" einst am christlichen Gott zugrunde ging: „wenn er am Gott verschied“.

Auf die fehlerhafte Textinterpretation sind die verzerrten syntaktischen Bezüge zurückzuführen: Die etwas ungewöhnliche syntaktische Gliederung des Originals hat den Übersetzer dermaßen in die Irre geführt, daß er den Bezug zwischen dem Subjekt ("Auletul" = der Auletes), dem Personalpronomen (el = er) und dem Prädikat ("adoarme" = entschläft) herstellt, wo doch der einzig richtige logisch-grammatische Bezug nur zwischen den Original-Lexemen O.V. 2 „Okzident“ (Attribut) und O.V. 8 "er" (Subjekt) hergestellt werden kann.

Da der Übersetzer anscheinend keine klaren Vorstellungen vom festlichen von mehreren "Auleten" angeführten "Zuge" hatte, ließ er nur einen einzigen „Auletes“ als Handlungsträger gewähren: "cînd Auletul.." (= wenn der Auletes).

Fazit: Aus der Übersetzung sind folgende dichterische Vorstellungen zu entnehmen: Zunächst das deckungsgleiche Bild: Ü.V. 1-2 „Celule orfice somnoleazã // în creierii-Occidentului;“ [u.Ü. Orphische Zellen schlummern in (den) Hirnen des Okzident]; danach das semantisch verzerrte Bild: Ü.V. 7-8 „... cînd Auletul // adoarme-ntru Domnul cel sfînt.“ (u.Ü. wenn der Auletes // im Heiligen Herrn entschläft). Der Übersetzer hat die syntaktischen Bezüge fehlerhaft dekodiert: Das Original-Subjekt "er" - des Satzes in V. 8 „wenn er am Gott verschied“ - bezieht sich auf das Attribut in O.V. 2 „in Hirnen des Okzident“, und nicht auf das Attribut in O.V. 7 „vom Zuge der Auleten,“ - zumal es im Plural steht - wie es der Übersetzer (im Singular) rekonstruiert hat: „cînd Auletul // adoarme ...“.

So kommt es, daß der Übersetzer das Personalpronomen "er" - im Original auf den "Okzident" bezogen - stets auf Gott: "El" bezieht:

3. Str., V. 3 „er aber haßt das Werden,“

3. Str., V. 3 „dar El Devenirea o urãºte,“

3. Str., V. 5 „er drängt nach andern Brüsten,“

3. Str., V. 4 „El cãtre alþi sâni se-ntinde“.

6.0. Die stilistische Verzerrung

6.1. Die Verzerrung des dichterischen Original-Bildes

O. (G.B., 45) Karyatide

3. Str., V. 7-10 „tagen / sieh diese letzte Glück-Lügenstunde / unserer Südlichkeit / hochgewölbt.“

U. (Cassian, 145) Cariatidã

3. Str., V. 7-10 „Cel de pe urmã ceas al fericirii / ºi al minciunii ºi al rîvnei noastre / de miazãzi, / boltitã-nalt.“

In den meisten Fällen ist die Verzerrung des dichterischen Original-Bildes auf Kürzung (Auslassung) und Augmentation (Amplifikation) zurückzuführen: Im obigen Beispiel hat die Übersetzerin, zum einen, das Prädikat des Satzes ("tagen sieh") ausgelassen; da dieser sinnstiftende Aufruf des lyrischen Ich an die "Karyatide" ausgespart wird, dürfen die übersetzten Verszeilen nur als denotative Bruchstücke betrachtet werden; zum andern hat die Übersetzerin den Benn'schen Text vermittels originalfremder Lexeme und fehlerhafter syntaktischer Bezüge amplifiziert: u.Ü. "Die letzte Stunde unseres südlichen Glücks und (unserer südlichen) Lüge und (unseres südlichen) Begehrens, hochgewölbt."

Es läßt sich nicht feststellen, ob - in der Übersetzung - das Epitheton „boltitã-nalt“ (= „hochgewölbt“) sich (als Attribut) auf die Lexeme „fericirii“ (= des Glücks), „minciunii“ (= der Lüge), „rîvnei“ (= des Begehrens ) oder auf alle drei Lexeme bezieht; jedenfalls bezieht es sich nicht - wie im Original - auf die „Glück-Lügenstunde“.

Im Original stellt das Lexem "Südlichkeit" (als Attribut) den syntaktischen Bezug zum Akkusativobjekt "Glück-Lügenstunde" her; in der Übersetzung fungiert das Adjektiv "de miazãzi" (= südlich, vom Süden) - fälschlicherweise - als Epitheton zu "fericirii" (= Glück), "minciunii" (= Lüge) und "rîvnei" (= Begehren).

B. Fehläquivalenzen, deren Ursprung nicht genau bestimmt werden kann:

1. Beispiel:

O. (G.B., 174) Astern (= Blumen)

U. (N. Cassian, 147) Gâze (= Insekten, Kerbtiere)

Die äußerst unterschiedlichen Gedichttitel sind logisch nicht zu erklären. In Benns Gedichten wird das "Aster"-Motiv des öftern verwendet:

so etwa in Kleine Aster (G.B., 7); Astern (G.B., 174); Karyatide (G.B., 45): 3. Str., V. 6 "auf Astermeeren".

Entmutigend ist die Erkenntnis, daß die Übersetzerin sich niemals die Frage gestellt hat, wo denn - im Gedichtkontext - die im Gedichttitel und in der 1. Str.,V. 1 (gemäß der Übersetzung) genannten "Gîze" (= Insekten, Kerbtiere) verbleiben; wo doch diese Insekten, ob der andachtsvollen lyrischen Bilder ("Astern", "Herden", "Götter", "Rosen", "Schwalben"), auch nirgends hätten eingesetzt werden dürfen.

2. Beispiel:

O. (G.B., 189) Chopin

4. Str., V. 5-6 „bei Rothschilds, Wellingtons, im Strafford House und vor zahllosen Hosenbändern.

Ü. (Cassian, 149) Chopin

4. Str., V. 5-6 „la Rotschilzi, Wellingtoni, în Stafford (sic! Strafford House, / ºi în faþa a nenumãrate bretele,...“

Die Übersetzerin hat - in absoluter Unkenntnis kulturhistorischer Fakten - das originale Lexem "Hosenbändern" (= jartiere) durch "bretele" (= Hosenträger) übersetzt; hierbei ist es nur folgerichtig, von einer Fehläquivalenz zu sprechen, denn die Synekdoche ("Hosenbänder") führt - auf gedanklich-assoziativer Ebene - zu dem Hosenbandorden.

Ein anderer Übersetzer - ªtefan Augustin Doinaº - hat die kultur-historische Konnotation richtig gedeutet und sie als Denotation rekonstruiert:

U. (Doinaº, 115) Chopin

4. Str., V. 5-6 „la Rothschilzi, Wellingtoni, palatul Strafford / ºi-n faþa a numeroase Jartiere;“ (u.Ü. und vor zahlreichen Hosenbändern)

Im Gedicht Der Sänger scheint eine graphemisch-lexikale Verwechslung der Ursprung der von einer Sprachebene auf die nachfolgenden fortwirkenden Fehläquivalenzen gewesen zu sein:

O. (G.B., 59) Der Sänger

1. Str., V. 3-4 „Turf- und Nebelwesen

mischt der Sänger im Blut.“

U. (Doinaº, 45) Cîntãreþul

1. Str., V. 3-4 „fiinþe de turbã ºi bale

poetul îmbinã tãcut.“

Die (scheinbare) graphemische Verwechslung - das Original-Graphem -u- (in "Turf") wird mit dem Graphem -o- (in einem potentiellen deutschen Lexem "Torf") verwechselt - führt zu einer (scheinbaren) lexikalen Verwechslung, und diese wiederum zu einer lexikal-semantischen Fehläquivalenz, deren Ursprung in der fehlerhaften Auswahl der semantischen Felder zu suchen ist.

Hier handelt es sich um zwei völlig unterschiedliche Lexeme:

O. "Turf" = "Turf, der; -s: Rennbahn für Pferderennen"[2]

Ü. "Turba" = "Torf, der; -(e)s: in Mooren durch Zersetzung von Pflanzen entstandener Stoff, der als Material zum Heizen, als Dünger oder in Heilbädern verwendet wird"[3]

Dennoch ist auch die Annahme nicht auszuschließen, daß der Übersetzer zwei Lexeme - "turbã" (= Wut, Tollwut) und "bale" (= Geifer, Schaum, Speichel) - in einen nulläquivalenten semantischen Zusammenhang gebracht hat. Wenn es dem so ist, dann hat der Übersetzer nicht die Wiedergabe der kontextuellen Original-Seman-tik, sondern bloß die Erstellung des Kreuz-reims angestrebt: V. 1 "... geneze verbale" / V. 3 "... bale".

A N H A N G

Allgemeingültige Abkürzungen:

O. = Originaltext

Ü. = Übersetzung

u.Ü. = unsere Übersetzung

1. Str., V. 1 = 1. Strophe, 1.Vers(zeile)

Abkürzungen, Originaltexte und Übersetzungen:

Abkürzung: O. (G.B., 45) Karyatide = Originaltext: Karyatide. In: Gottfried Benn: Gedichte. Gesammelte Werke in vier Bänden, herausgegeben von Dieter Wellershoff. Dritter Band. Limes Verlag, Wiesbaden 31966, Seite 45.

Abkürzung: Ü. (Doinaº, 29) Cariatidã = Übersetzung (Doinaº): Cariatidã. In: Gottfried Benn: Poeme. În româneºte de ªtefan Augustin Doinaº ºi Virgil Nemoianu. Cuvînt introductiv Virgil Nemoianu. Editura Univers, Bucureºti, 1973, Seite 29.

Abkürzung: Ü. (Cassian, 143) Cariatidã = Übersetzung (Nina Cassian): Cariatidã. In: * * * Poezia germanã modernã. De la Stefan George la Enzensberger. Antologie, prefaþã ºi note biobibliografice de Petre Stoica. Editura pentru Literaturã, Bucureºti, 1967, Band 1, Seite 143.

Im obigen Band ist das einzige von einem andern Übersetzer transponierte Gedicht enthalten: Kurkonzert (S. 32) = Concert balnear (S.146) übersetzt von Dan Constantinescu.


 

[1] In einem Lexikonartikel findet man folgendes: Sansibar: "Die Insel gleicht in ihrer Flora der des tropischen  Afrika, ebenso hinsichtlich der Kulturpflanzen: Negerhirse, der Tapioka liefernde Kassawastrauch aus Südamerika, Reis und Zuckerrohr; die Ostindien entlehnten Gewürzpflanzen sowie Citrus-Arten sind an felsigen  Abhängen angepflanzt: Besonders einträglich ist der Gewürznelkenbaum von den Maskarenen; ... ausgeführt werden: Gewürznelken, Gewebe, Elfenbein, Kopra, Häute etc." (Artikel Sansibar in: Meyers Großes Konversations-Lexikon. Ein Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens. 6., gänzlich neubearbeitete und vermehrte Auflage, 17. Band, Leipzig und Wien, Bibliographisches Institut 1909, S. 577-578.

[2] Der Große Duden. Band 10: Bedeutungswörterbuch. Bearbeitet von Paul Grebe, Rudolf Köster, Wolfgang Müller und weiteren Mitarbeitern der Dudenredaktion. Bibliographisches Institut, Mannheim / Wien / Zürich 1970, S. 665.

[3] Ebd., S. 654


 

Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

 

 

Coordonator sectiune: Madalina Marcu | Asistenti: Cristina Caramihai | Andreea Baranga

+ Asociatia Studentilor din Facultatea de Limbi Straine | Contact

 

Home | BAC/Teze | Biblioteca | Referate | Games | Horoscop | Muzica | Versuri | Limbi straine | DEX

Modele CV | Wallpaper | Download gratuit | JOB & CARIERA | Harti | Bancuri si perle | Jocuri Barbie

Iluzii optice | Romana | Geografie | Chimie | Biologie | Engleza | Psihologie | Economie | Istorie | Chat

 

Joburi Studenti JOB-Studenti.ro

Oportunitati si locuri de munca pentru studenti si tineri profesionisti - afla cele mai noi oferte de job!

Online StudentOnlineStudent.ro

Viata in campus: stiri, burse, cazari, cluburi, baluri ale bobocilor - afla totul despre viata in studentie!

Cariere si modele CVStudentCV.ro

Dezvoltare personala pentru tineri - investeste in tine si invata ponturi pentru succesul tau in cariera!

 

 > Contribuie la proiect - Trimite un articol scris de tine

Gazduit de eXtrem computers | Project Manager: Bogdan Gavrila (C)  

 

Toate Drepturile Rezervate - ScoalaOnline Romania