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Welche Grammatik braucht der Mensch? Kriterienkataloge zur Einordnung und Bewertung von Grammatiken für Deutsch als Fremdsprache

 

Mathilde und Carsten Hennig

 

1. Theoretischer Hintergrund

1.1. Grammatik im Fremdsprachen-unterricht

Nachdem der Fremdsprachenunterricht (zumindest in Deutschland) den Ausschließlich­keitsanspruch der kommunikativ-pragma-tischen Phase “überwunden” hat[1], darf wieder über Grammatik geredet werden, mehr noch: Man hat eingesehen, dass Grammatik durchaus nützlich für das Erlernen von Fremdsprachen sein kann; wenn sie denn in einer für den Lerner gut nachvollziehbaren Form dargeboten wird.

Die Einseitigkeit eines grammatikfreien kommunikativen Unterrichts wird u.a. von Jung (1993: 108 ff.) durch den Hinweis ad absurdum geführt, dass Grammatik in allen Texten implizit vorhanden ist – Lehrwerke und Fremdsprachenunterricht überhaupt sind somit auf Grund des der Sprache innewohnenden Regelsystems im Grunde gar nicht denkbar.[2] Dieser Einsicht folgt die Frage, wie Grammatik effektiv vermittelt werden kann; dabei zeichnet sich eine stärkere Hinwendung zum Lerner ab, dessen kognitive Fähigkeiten nun in den Mittelpunkt gerückt wurden. Harden (1993: 83) benennt als ein Ziel des Fremdsprachenunterrichts die Ausbildung eines Bewusstseins dessen,

“was Grammatik ist, was sie leistet und wie man sich ihrer bedient. Grammatik eben nicht reduziert auf Tabellen und Regeln, sondern verstanden als der reflektierte Zugang zu einem Bereich, dessen unreflektierter Aneignung enge Grenzen gesetzt sind.”

Nach dem jahrzehntelangen dogmatischen Vorherrschen von je einer Methode im Fremdsprachenunterricht[3] kam es in den 90ern zu einer größeren Offenheit. So plädiert Harden (1993: 81) gewissermaßen dafür, die jeweiligen Verdienste einer Methode anzuerkennen und somit eine Synthese aus mehreren Ansätzen zu akzeptieren:

 “Es wäre völlig unangemessen, das Konzept der “kommunikativen Kompetenz” aus dem Fremdsprachenunterricht verbannen zu wollen, ebenso unangemessen, wie eine Wiederauferstehung der Grammatik-Übersetzungs-Methode zu wünschen.”

Grammatik muss nicht mehr um ihren Platz im Fremdsprachenunterricht kämpfen; diskutiert wird vielmehr die Frage, welche Grammatik wie zu präsentieren sei.

1.2. Welche Grammatik braucht der Mensch?

Wenn man nun von Grammatiken für Deutsch als Fremdsprache spricht, muss man präzisieren, was damit gemeint ist. Geht man von Helbigs drei Begriffszuordnungen aus – Grammatik A = das Regelsystem, unabhängig von der Beschreibung, Grammatik B = die linguistische Beschreibung des Regelsystems und Grammatik C = Die Grammatik “im Kopf” des Einzelnen[4], so handelt es sich hier um Grammatik B. Im Bereich der Grammatik B wiederum unterscheidet man ganz allgemein zwischen Grammatiken für sprachwissenschaftliche Zwecke (linguistische Grammatiken = B1) und solchen für Unterrichtszwecke (didaktische Grammatiken, auch Lernergrammatiken oder pädagogische Grammatiken genannt = B2)[5]. Aber auch diese Zweiteilung ist noch nicht ausreichend – didaktische Grammatiken können Grammatiken für den Mutter- oder Fremdsprachenunterricht, für den Lehrer oder Lerner, für den Anfänger oder Fortgeschrittenen sein; linguistische Grammatiken können Regel- oder Problemgrammatiken sein; Grammatiken, die Vollständigkeit anstreben oder Grammatiken, die sich an einer bestimmten Theorie orientieren.[6] Hier deutet sich bereits an: Die Frage danach, welche Grammatik die richtige sei, kann nicht ohne Rückgriff auf ihre potentiellen Benutzer beantwortet werden. Da es nicht den Benutzer einer Grammatik gibt, weist Helbig, der die Frage “Wieviel Grammatik braucht der Mensch?” diskutiert, darauf hin (1993: 24):  “Von einer notwendigen Quantität der Grammatik kann daher nicht die Rede sein bezogen auf den Menschen schlechthin, sondern immer nur auf den Menschen in bestimmten Situationen, z.B. auf den Menschen als Sprecher oder Hörer, als Muttersprachler oder Fremdsprachler, als Lerner oder Lehrer von Fremdsprachen, als Lerner von Fremdsprachen mit unterschiedlichen Zielen und Zielfähigkeiten.” Was Helbig in Bezug auf die Frage “Wieviel Grammatik” anmerkt, gilt natürlich ebenso im Zusammenhang mit der Frage “Welche Grammatik”: Es gibt nicht die Grammatik des Deutschen und folglich auch nicht die Grammatik für Deutsch als Fremdsprache, da es nicht den Grammatikbenutzer bzw. den Fremdsprachenlerner gibt.

Zum Glück ist diese Erkenntnis keineswegs neu, und so gibt es in Deutschland seit der zweiten Hälfte der 80er Jahre einen regelrechten Boom an adressatenspezifischen Grammatiken für Lerner und Lehrer des Deutschen als Fremdsprache.[7] Es ist nicht zu erwarten, dass diese Entwicklung inzwischen abgeschlossen ist; Engels Anforderungen an künftige Grammatiken (1990: 144ff.) sind noch keineswegs alle erfüllt. Die positive Folge dieser Entwicklung ist, dass Grammatiken nun sehr gezielt für die jeweiligen Zwecke ausgewählt werden können und man nicht auf Grammatiken zurück greifen muss, die vielleicht für die Situation nicht ausreichend geeignet sind. Das erfordert aber vom Grammatikenbenutzer eine produktive Auseinandersetzung mit dem Thema: Er kann (oder sollte) nicht in den Buchladen gehen und sagen “Guten Tag, ich hätte gerne eine Grammatik”. Außerdem muss kritisch angemerkt werden, dass in Verlagswerbungen, Klappentexten oder Vorworten die Angaben zur Zielgruppe oft recht vage gehalten sind, was wohl mit den Verkaufsabsichten der Verlage zusammenhängt: Die Grammatik soll eben nicht nur vom interessierten Muttersprachler gekauft werden, sondern auch vom Lehrer für Deutsch als Fremdsprache oder gar vom fortgeschrittenen Lerner. Auch Grammatiken für Deutsch als Fremdsprache legen sich häufig nicht auf eine Lernstufe fest oder erweisen sich mitunter als zu schwer für die angesprochene Zielgruppe. Das Ergebnis ist, dass es mindestens ebenso schwierig ist, die richtige Grammatik auszuwählen, wie das passende Lehrwerk zu finden. Leider gibt es aber in diesem Bereich noch nicht die Auseinandersetzung, die durch die Erstellung von Kriterienkatalogen zur Lehrwerkbegutachtung seit den 70er Jahren in Deutschland stetig geführt wird. Wir meinen aber, potentielle Lehrer des Deutschen als Fremdsprache sollten ebenso auf den Umgang mit Grammatiken vorbereitet sein wie auf die Arbeit mit Lehrbüchern.[8] Es reicht deshalb unseres Erachtens nicht aus, die Frage “Wieviel Grammatik braucht der Mensch?” zu diskutieren, sondern im Sinne einer praktischen Auswahlhilfe sollte die Frage “Welche Grammatik braucht der Mensch?” einen zentralen Platz in der Grammatikdidaktik erhalten.[9]

1.3. Vor- und Nachteile von Kriterienkatalogen

Um die für die jeweiligen Zwecke günstigste Grammatik auswählen zu können, erscheint es uns sinnvoll, mit Kriterienkatalogen zu arbeiten. Wenn man Grammatiken vergleichen will, braucht man – wie für jeden anderen Vergleich auch - eine Vergleichsbasis. Ein Kriterienkatalog kann ein solches tertium comparationis bilden und gleichzeitig die Bewertung der Grammatiken objektivieren. Deshalb mag es erstaunlich erscheinen, dass die für Lehrwerke seit den 70er Jahren gängige Praxis nicht schon längst auf den Bereich der Grammatik übertragen wurde. Dafür scheinen zwei Gründe wesentlich zu sein:

1. Das unter 1.1 diskutierte langjährige Vorherrschen der so genannten kommunikativen Methode erschwerte für einen Zeitraum die Beschäftigung mit der Grammatikdidaktik – wenn es um ‚Grammatik‘ ging, stand lange Zeit die Rechtfertigung der Notwendigkeit der Integration von Grammatik im Mittelpunkt.[10]  

2. Der “Boom” von Grammatiken für Deutsch als Fremdsprache setzte ja erst Ende der 80er Jahre ein und erreichte erst Mitte der 90er Jahre seinen vorläufigen Höhepunkt – deshalb bestand vorher noch nicht in dem Maße die Notwendigkeit, Grammatiken einzuordnen und zu vergleichen.

Während Fragenkataloge zur Analyse und Begutachtung von Lehrwerken laut Kast/Neuner (1994: 108) bereits “zum Standardrepertoire in der Lehreraus- und fortbildung” gehören, müssen die hier vorgeschlagenen Raster für die Einordnung von Grammatiken sich diesen Status erst erarbeiten. Dabei bietet es sich an, sich bei der Erstellung solcher Kriterienraster für Grammatiken an den bestehenden Fragenkatalogen für Lehrwerke zu orientieren. Vor allem sollte man die Erfahrungen, die die Lehrwerkbegutachter mit den Katalogen gemacht haben, unbedingt berücksichtigen. So warnen Kast/Neuner (1994: 100) vor einem unreflektierten Umgang mit Kriterienkatalogen:

“Kriterienraster sind jedoch nicht problemlos. Sie werden schnell kanonisch, gaukeln Objektivität vor, sind statisch, erheben den Anspruch auf wissenschaftliche Autorität. Alle Kriterien bleiben jedoch relativ, ihre Gewichtung kann nur nach persönlichen Präferenzen vorgenommen werden unter Berücksichtigung der Situation vor Ort [...] Kurz: Ein Raster sollte als Hilfestellung aufgefaßt werden, nicht als Korsett.”   

Die Autoren warnen außerdem vor der “scheinbaren Objektivität” der Kataloge, denn schließlich hängt die Reliabilität der Ergebnisse und die Effektivität des Umgangs mit dem Katalog auch von den Voraussetzungen des Benutzers ab.[11]

Die von Kast/Neuner festgehaltenen Erfahrungen sollten unbedingt in die Erstellung von und die Arbeit mit Kriterienrastern zur Beurteilung von Grammatiken eingehen; es bleibt aber auch festzuhalten, dass sich die Kriterienkataloge zur Beurteilung von Lehrwerken trotz aller hier angedeuteten Probleme als Arbeitsmittel bewährt haben: Sie machen “den Entscheidungsprozeß durchsichtiger und einsichtiger” und zeigen “Wege der Entscheidungsfindung” auf (Kast/Neuner 1994: 100). Selbstverständlich wird nicht jede einzelne Frage für jeden Benutzer relevant sein – die Fragen stellen vielmehr ein Angebot dar, dass der Einzelne auf seine jeweilige Situation anwenden kann.

 

2. Die Kriterienkataloge[12]

 

2.1. Arbeitsfragen zur Einordnung und Bewertung von Grammatiken

1. Didaktische Grammatiken

A       Konzeption

A 1   Gibt es klare Aussagen zur Konzeption (Vorwort o. ä.)?

A 2   Welche Zielgruppe spricht die Grammatik an?

A 3   Gibt es Besonderheiten in der Konzeption?

A 4   Ist die Konzeption nachvollziehbar und wird sie gut umgesetzt?

B       Aufbau

B 1   Welche Teile enthält die Grammatik?

B 2   Wie sind sie angeordnet?

B 3   Wie sind die einzelnen Kapitel strukturiert und aufgebaut?

B 4   Welche (Teil-)Kapitel gehen über den traditionellen Kern einer Grammatik (Morphosyntax) hinaus?

B 5   Enthält die Grammatik auch Übungen? Sind sie in den Band integriert oder muss man sie zusätzlich kaufen?

B 6   Wie umfangreich ist das Übungsmaterial?

C       Darstellungsweise

C 1   Was für Termini werden verwendet?

C 2   Finden Besonderheiten der gesprochenen Sprache Eingang in die Grammatik?

C 3   Liegt der Fokus auf den Regeln oder Ausnahmen?

C 4   In welchem Verhältnis steht die Beschreibung von Form und Bedeutung?

C 5   Ist die Grammatik eher normativ-präskriptiv oder deskriptiv?

D       Beispiele

D 1   Werden Satz- oder Textbeispiele angeführt?

D 2   Entstammen die Beispiele der gesprochenen und/oder der geschriebenen Sprache?

D 3   Werden belletristische, andere authentische oder konstruierte Beispiele verwendet?

D 4   Sind die Beispiele angemessen und glaubwürdig?

D 5   Wird Bezug genommen auf die Textsorten, denen die Beispiele entstammen?

E       Didaktisierung

E 1    Auf welche Weise wird berücksichtigt, dass es sich um eine Lernergrammatik handelt?

E 2    Werden – aus didaktischen Gründen – Vereinfachungen vorgenommen?

E 3    Inwiefern wird versucht, den Stoff verständlich und evtl. auch angenehm darzubieten?

F       Layout

F 1    Ist die Darstellungsweise übersichtlich?

F 2    Werden Tabellen verwendet, um Details anschaulich zusammen zu fassen?

F 3    Gibt es Bemühungen, den Lernprozess durch das Layout zu erleichtern (z.B. durch mnemotechnische Elemente)?

G      Bewertung und Einordnung

G 1   Wird das Ziel erreicht, d.h. ist die Grammatik tatsächlich für die angesprochene Zielgruppe geeignet?

G 2   Stehen grammatischer Inhalt und didaktische Vereinfachungen bzw. Auflockerungen  in einem angemessenen Verhältnis?    

G 3   Für welchen Bereich von Deutsch als Fremdsprache ist die Grammatik einsetzbar?

H      Resümee

 

2. Linguistische Grammatiken

A       Konzeption

A 1   Gibt es klare Aussagen zur Konzeption (Vorwort o. ä.)?

A 2   Welche Zielgruppe spricht die Grammatik an?

A 3   Gibt es Besonderheiten in der Konzeption?

A 4   Ist die Konzeption nachvollziehbar und wird sie gut umgesetzt?

A 5   Bezieht sich die Grammatik ausdrücklich auf einen bestimmten linguistischen Ansatz?

B       Aufbau

B 1   Welche Teile enthält die Grammatik?

B 2   Wie sind sie angeordnet?

B 3   Wie sind die einzelnen Kapitel strukturiert und aufgebaut?

B 4   Welche (Teil-)Kapitel gehen über den traditionellen Kern einer Grammatik (Morphosyntax) hinaus?

B 5   Gibt es ein Textkapitel? Falls nicht, wird dies begründet? 

C       Darstellungsweise

C 1   Was für Termini werden verwendet?

C 2   Finden Besonderheiten der gesprochenen Sprache Eingang in die Grammatik?

C 3   Liegt der Fokus auf den Regeln oder Ausnahmen?

C 4   In welchem Verhältnis steht die Beschreibung von Form und Bedeutung?

C 5   Ist die Grammatik eher normativ-präskriptiv oder deskriptiv? Handelt es sich um eine Problem- oder Resultatsgrammatik?

D       Beispiele

D 1   Werden Satz- und/oder Textbeispiele angeführt?

D 2   Entstammen die Beispiele der gesprochenen und/oder der geschriebenen Sprache?

D 3   Werden belletristische, andere authentische oder konstruierte Beispiele verwendet?

D 4   Sind die Beispiele angemessen und glaubwürdig?

D 5   Wird Bezug genommen auf die Textsorten, denen die Beispiele entstammen?

E       Umsetzung

E 1    Ist die Darstellungsweise übersichtlich?

E 2    Was für Register gibt es?

E 3    Erfolgt der Zugriff auf bestimmte Probleme eher über das Inhaltsverzeichnis oder ein Register? 

E 4    Werden die einzelnen Teile aufeinander bezogen, d.h. gibt es Querverweise?

E 5    Falls mehrere Autoren beteiligt waren, wird dennoch eine Einheitlichkeit erreicht?

F       Wissenschaftlichkeit

F 1    Werden  Hinweise zur Behandlung des jeweiligen Problems in der linguistischen Forschung gegeben? In welcher Form erfolgen die Verweise?

F 2    Wird eine “Regel” präsentiert oder werden mehrere Ansätze nebeneinander dargestellt?

F 3    Gibt es ein Literaturverzeichnis? Welchen Umfang hat es?

G      Bewertung und Einordnung

G 1   Ist die Grammatik für die angesprochene Zielgruppe geeignet?

G 2   Wird die Grammatik ihren konzeptionellen Ansprüchen gerecht?

G 3   In welchem Verhältnis stehen Verständlichkeit und Wissenschaftlichkeit der Darstellung? 

G 4   Für welchen Bereich von Deutsch als Fremdsprache ist die Grammatik einsetzbar?

H      Resümee

 

2.2. Erklärungen zu den Kriterienkatalogen

Wir haben die von uns ausgewählten Grammatiken in zwei Gruppen unterteilt, in didaktische und linguistische Grammatiken. Daraus ergeben sich zwangsläufig Unterschiede in den Kriterienrastern, nicht alles, was bei der Betrachtung einer didaktischen Grammatik interessiert, betrifft auch die linguistische und umgekehrt. Wir sind bei der Betrachtung auf bisher fünf Fragenkomplexe gekommen, die beiden Rastern gemein sind (mit einigen Unterschieden im Detail), zwei sind für die jeweilige Gruppe spezifisch.

Hier zunächst einige Erklärungen zu Fragenkomplexen, die wir für beide Gruppen erarbeitet haben.

Im ersten Komplex stellen wir Fragen zur Konzeption. Beleuchtet werden soll dabei, ob der jeweiligen Grammatik klare Aussagen zu Konzeption, Zielgruppe, konzeptionellen Besonderheiten zu entnehmen sind. Außerdem werden Nachvollziehbarkeit und Umsetzung der Konzeption hinterfragt. Die Frage, ob ein  linguistischer Ansatz zu Grunde liegt, findet sich dabei nur im Fragenkomplex zur Konzeption der linguistischen Grammatiken, im Komplex zu den didaktischen Grammatiken fehlt sie. Unseres Erachtens ist diese Frage für die didaktischen Grammatiken nicht relevant, sind diese doch vordergründig zur Begleitung des Sprachunterrichts erstellt, nicht aber für die wissenschaftliche Sprachbetrachtung.

Im nächsten Komplex werden Fragen zum Aufbau gestellt. Gefragt wird dabei, welche Teile die Grammatik enthält, in welcher Reihenfolge diese angeordnet sind, wie die Kapitel aufgebaut und strukturiert sind und ob sie die Grenzen einer traditionellen Grammatik (Morphosyntax) überschreitet. Die Frage nach dem Vorhandensein und dem Umfang von Übungs­material findet sich dabei aus naheliegenden Gründen nur auf der Seite der didaktischen Grammatiken. Bei den linguistischen Grammatiken fragen wir dagegen nach dem Vorhandensein eines Kapitels zum Text, da seit den 80-er Jahren der Text immer stärker Beachtung findet.[13]

Im Fragenkomplex Darstellungsweise finden sich kaum Unterschiede in der Fragestellung. Auf beiden Seiten fanden wir die Fragen nach verwendeten Termini, dem Grad der Berücksichtigung der Besonderheiten der gesprochenen Sprache, nach der Fokussierung auf Regeln oder Ausnahmen bedeutsam, wie auch Fragen nach dem Verhältnis der Beschreibung von Form und Bedeutung und ob die Grammatik eher normativ-präskriptiv oder aber deskriptiv ist. Bei den linguistischen Grammatiken soll zudem ermittelt werden, ob diese Problem- oder Resultatsgrammatiken sind. Für die didaktischen Grammatiken stellt sich diese Frage unserer Meinung nach nicht, da deren Charakter mit dem einer Problemgrammatik ohnehin nicht vereinbar ist.

Ein weiterer Fragenkomplex soll sich mit den angeführten Beispielen befassen, ob bspw. Satz-und/oder Textbeispiele angeboten werden, ob diese ausgewiesenermaßen der gesprochenen und/oder der geschriebenen Sprache entstammen, ob diese belletristischer Herkunft, andere authentische Beispiele oder eher konstruiert sind und ob die Beispiele angemessen und glaubwürdig sind. Außerdem wird hinterfragt, ob auf die Zugehörigkeit der Beispiele zu einer bestimmten Textsorte eingegangen wird.

Die nun folgenden Komplexe wurden spezifisch für jeweils eine der beiden Gruppen erarbeitet.

Zunächst sollen die didaktischen Grammatiken in Hinblick auf die Art und Weise der Didaktisierung betrachtet werden. Daraus ergaben sich Fragen nach dem Charakter der Grammatik als Lernergrammatik (Stoffauswahl u.a.), ob aus didaktischen Gründen Vereinfachungen vorgenommen werden (Aussparung verschiedener Phänomene je nach Zielgruppe, Lernerzentriertheit). Außerdem soll Art und Weise der Stoffdarbietung betrachtet werden, ob dieser für den Lerner verständlich und ggf. auch angenehm dargeboten wird, optisch wie inhaltlich.

Im Komplex zum Layout sollen Aspekte wie die Darstellungsweise, die Verwendung von Tabellen und deren Aussagekräftigkeit sowie gestalterische Bemühungen zur Erleichterung des Lernprozesses  betrachtet  werden.  (Stringenz  der  Symbolik,  Arbeit  mit farblicher Hervorhebung, Abfolge im Aufbau der Kapitel, z.B. erst Einführung, dann Regelabstraktion, Übungsteil, weitere Aufgaben, paralleles Ansprechen verschiedener Memorierungskanäle (Text-Bild u.ä.), Angebot von Quer-bzw. Rückverweisen innerhalb der jeweiligen Grammatik).

Bei den linguistischen Grammatiken soll im Komplex Umsetzung folgendes beantwortet werden: Ist die Darstellungsweise übersichtlich, wird die jeweilige Grammatik also ihrem Charakter als Nachschlagewerk auch gerecht, welche Register werden angeboten, erfolgt der Zugriff eher über das Inhaltsverzeichnis oder das Register ? Existieren innerhalb der einzelnen Kapitel brauchbare Querverweise? Bleibt bei Autorenkollektiven ein einheitliches Ganzes erhalten, bspw. in Theorie und Terminologie. Dieser Komplex soll dem potentiellen Nutzer helfen, Erkenntnisse über die Handhabbarkeit der Grammatik zu gewinnen.

Ebenfalls nur für die linguistischen Grammatiken gibt es einen Komplex, welcher die Wissenschaftlichkeit der vorliegenden Grammatik hinterfragt. Die folgenden Fragen sollen in diesem Komplex erörtert werden: Werden Hinweise zur Behandlung des jeweiligen Problems in der linguistischen Forschung gegeben? Wird die Betrachtung innerhalb der Forschung positioniert, einer bestimmten Richtung bzw. einem bestimmten Ansatz zugeordnet ? Auf welche Art und Weise werden diese Verweise gemacht, nur implizit im Literaturverzeichnis, durch expliziten Verweis auf aktuelle Diskussionen, etc.? Des Weiteren wird gefragt, ob dem Nutzer eine, also die Regel präsentiert wird, oder ob ihm verschiedene Ansätze vor- und zur Wahl gestellt werden. Geklärt werden soll also auch, ob der Autor das Regelsystem der Sprache beschreibt, ohne auf den aktuellen Forschungsstand näher einzugehen, ob er verschiedene Ansätze zitiert oder eigene Theorien. Zum Schluss sollen in diesem Komplex Existenz und Umfang eines Literaturverzeichnisses erfragt werden.

Der letzte Fragenkomplex ist wieder beiden Gruppen von Grammatiken gemein, mit kleineren Unterschieden im Detail. Überschrieben ist dieser Komplex mit “Bewertung und Einordnung”. ‚Bewertung‘ meint hier aber auf keinen Fall eine Skale zwischen “gut” und “schlecht”. Erörtert werden soll vielmehr, ob die Grammatiken der beiden Gruppen die angesprochene Zielgruppe tatsächlich erreichen können. Speziell für die didaktischen Grammatiken soll in diesem Komplex die Frage beantwortet werden, ob die angewendeten didaktischen Vereinfachungen und Auflockerungen zweckdienlich und zulässig sind (oder ob Präzision möglicherweise einem gewissen “Unterhaltungswert” geopfert wird). Für die linguistischen Grammatiken stellen sich in diesem Komplex die Fragen, ob dem in der Regel eingangs formulierten konzeptionellen Anspruch gerecht geworden wurde und in welchem Verhältnis Wissenschaftlichkeit und Verständlichkeit zueinander stehen.

Abschließend soll für beide Gruppen geklärt werden, in welchem Bereich von Deutsch als Fremdsprache die jeweilige Grammatik vorzugsweise einzusetzen ist.

Literatur:

 (eine Auswahl – Grammatiken der 80er und 90er)

1.     Buscha, Joachim / Freudenberg-Findeisen, Renate / Forstreuter, Eike / Koch, Hermann / Kuntzsch, Lutz (1998): Grammatik in Feldern, Ismaning: Verlag für Deutsch.

2.     Duden (19955): Grammatik, hrsg. v. Günter Drosdowski, Mannheim: Dudenverlag.

3.     Eisenberg, Peter (19943): Grundriß der deutschen Grammatik, Stuttgart: Metzler.

4.     Engel, Ulrich (1988): Deutsche Grammatik, Heidelberg.

5.     Engel, Ulrich / Rozemaria K. Tertel (1993): Kommunikative Grammatik Deutsch als Fremdsprache, München: iudicium.           

6.     Erben, Johannes (198012): Deutsche Grammatik, ein Abriß, München.

7.     Flämig, Walter (1991): Grammatik des Deutschen, Berlin: Akademie-Verlag.

8.     Genzmer, Herbert (1995): Deutsche Grammatik, Frankfurt a.M.: Insel.

9.     Glinz, Hans (1994): Grammatiken im Vergleich: Deutsch - Französisch - Englisch - Latein; Tübingen: Niemeyer. 

10.  Gloyer, Henning (1998/1999): Das Grammatik-Karussel. Ismaning: Verlag für Deutsch.

11.  Götze, Lutz / Ernest W.B. Hess-Lüttich (1989): Knaurs Grammatik der deutschen Sprache, München: Knaur.

12.  Häussermann, Ulrich / Jürgen Kars (1988): Grundgrammatik Deutsch, Frankfurt: Diesterweg.

13.  Helbig, Gerhard / Joachim Buscha (199214): Deutsche Grammatik, Berlin.

14.  Hentschel, Elke / Weydt, Harald (21994): Handbuch der deutschen Grammatik. Berlin: de Gruyter.

15.  Heringer, Hans Jürgen (1987): Wege zum verstehenden Lesen, München: Hueber.       

16.  Heringer, Hans Jürgen (1988): Lesen lehren lernen: Eine rezeptive Grammatik des heutigen Deutsch, Tübingen: Niemeyer.

17.  Hoberg, Rudolf und Ursula (1988): Der kleine Duden, Deutsche Grammatik, Mannheim: Dudenverlag.

18.  Latour, Bernd (1988): Mittelstufengrammatik für Deutsch als Fremdsprache, Ismaning.

19.  Luscher, Renate (1976): Grammatik der modernen deutschen Umgangssprache. Ismaning: Hueber.

20.  Nieder, Lorenz (1987): Lernergrammatik für Deutsch als Fremdsprache, München.

21.  Reimann, Monika (1996): Grundstufen-Grammatik für Deutsch als Fremdsprache, Ismaning: Hueber.

22.  Rug, Wolfgang / Tomaszewski, Andreas (1993): Grammatik mit Sinn und Verstand. 20 Kapitel deutsche Grammatik für Fortgeschrittene, München: Klett.

23.  Schanen, Francois (1995): Grammatik Deutsch als Fremdsprache, München: iudicium.

24.  Weinrich, Harald (1993): Textgrammatik der deutschen Sprache, Mannheim.

25.  Zifonun, Gisela et al. (1997): Grammatik der deutschen Sprache. Herausgegeben vom Institut für deutsche Sprache, Berlin: de Gruyter.

Sekundärliteratur

1.     Ágel, Vilmos / Brdar-Szabo, Rita (Hrsg.) (1995): Grammatik und deutsche Grammatiken. Budapester Germanistentagung 1993. –Tübingen: Niemeyer (= Linguistische Arbei-ten; 330).

2.     Bausch, Karl-Richard (Hrsg.) (1979): Beiträge zur Didaktischen Grammatik. Probleme, Konzepte, Beispiele. Königstein (Ts.).

3.     Buscha, Joachim (1985): Zu theoretischen Erklärungshintergründen und Darstellungsfragen in einer didaktischen Grammatik für Ausländer. Leipzig (Diss. B, hekt.).

4.     Buscha, Joachim (1995): Referenzgrammatiken als theoretische Mischgrammatiken. In: Ágel, Vilmos / Brdar-Szabo, Rita (Hrsg.), 175-185.

5.     Engel, Ulrich (Hrsg.) (1990): Grammatiken eines Jahrzehnts. In: Jahrbuch Deutsch als Fremdsprache 16. München, 141-289.

6.     Funk, Hermann (1994): Arbeitsfragen zur Lehrwerkanalyse. In: Kast/Neuner, 105-108.

7.     Funk, Hermann / Koenig, Michael (1991): Grammatik lehren und lernen. – Berlin etc: Langenscheidt (= Fernstudieneinheit zur Fort- und Weiterbildung im Bereich Deutsch als Fremdsprache; Fernstudieneinheit 1: Teilbereich Deutsch als Fremdsprache).

8.     Gnutzmann, Claus / Königs, Frank G. (Hrsg.) (1995): Perspektiven des Grammatikunterrichts. – Tübingen.

9.     Götze, Lutz (1995): Zum Problem einer Kommunikativ-Funktionalen Grammatik. In: Ágel, Vilmos / Brdar-Szabo, Rita (Hrsg.), 233-241.

10.  Götze, Lutz (1996): Grammatikmodelle und ihre Didaktisierung in Deutsch als Fremdsprache. In: DaF 3, 136-143.

11.  Götze, Lutz (1999): Eine funktionale Grammatik für Deutsch als Fremdsprache. In: Skibitzki, Bernd / Wotjak, Barbara (Hrsg.): Linguistik und Deutsch als Fremdsprache. Festschrift für Gerhard Helbig zum 70. Geburtstag. – Tübingen: Niemeyer, 81-94.

12.  Harden, Theo / Marsh, Clíona. (Hrsg.) (1993): Wieviel Grammatik braucht der Mensch?. – München: Iudicium.

13.  Helbig, Gerhard (1981): Sprachwissenschaft – Konfrontation – Fremdsprachenunterricht. – Leipzig.

14.  Helbig, Gerhard (1992): Grammatiken und ihre Benutzer. In: Ágel, Vilmos / Hessky, Regina (Hrsg.): Offene Fragen – offene Antworten in der Sprachgermanistik. Tübingen: Niemeyer (= Reihe Germanistische Linguistik; 128), 135-150.

15.  Helbig, Gerhard (1993): Wieviel Grammatik braucht der Mensch? In: Harden/Marsh, 19-29.

16.  Helbig, Gerhard (1999): Was ist und was soll eine Lern(-er)-Grammatik? In: DaF 2, 103-112.

17.  Hennig, Mathilde (1997): Die Darstellung des Tempussystems in deutschen Grammatiken. In: DaF 4, 220-227.

18.  Hessky, Regina (1995): Wieviele Grammatiken braucht der Mensch? In: Ágel, Vilmos / Brdar-Szabo, Rita (Hrsg.), 244-246.

19.  Jung, Lothar (1993): Fremdsprachenunterricht ohne Grammatik? Nein, danke! In: Hraden/Marsh, 107-118.

20.  Kast, Bernd / Neuner, Gerhard (1994): Zur Analyse, Begutachtung und Entwicklung von Lehrwerken für den Fremdsprachlichen Deutschunterricht. – Berlin etc: Langenscheidt (= Fremdsprachenunterricht in Theorie und Praxis).               

21.  Kleineidamm, Hartmut  / Raupach, Manfred (1995): Grammatiken. In: Bausch, Karl-Richard u.a. (Hrsg.): Handbuch Fremdsprachenuntrricht. – Tübingen/Basel, 298-301.

22.  Nickel, Gerhard (1993): Scientific vs. Pedagogical Grammar. In: Harden/Marsh, 47-55.

23.  Weydt, Harald (1993): Was soll der Lerner von der Grammatik wissen? In: Harden/ Marsh, 119-137.

24.  Weydt, Harald (1995): Über den Umgang mit Sprachmaterial in Grammatiken. In: Ágel, Vilmos / Brdar-Szabo, Rita (Hrsg.), 247-252.

 

 

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[1] Natürlich soll die kritische Sicht der Probleme, die diese Phase zumindest für eine Zeit mit sich gebracht hat, nicht ihre Verdienste schmälern. Götze (1996: 136) weist zu Recht darauf hin, dass die mit der pragmatischen Wende verbundene Konzentration auf “sprach-liche Kommunikation, sprachliches Handeln und Sprachunterricht als Mittel zur zwischenmenschlichen Verständigung” richtig ist. In diesem Sinne hat Grammatik dienende Funktion und ist nicht Mittel zum Zweck – damit sie aber in angemessener und hilfreicher Weise “dienen” kann, muss man sich mit ihr auseinandersetzen.

[2] Vgl. dazu auch Helbig (1993: 21): “Es kann also kein Zweifel daran bestehen, daß die Grammatik für jeden Menschen und ebenso für jeden (auch für den kommunikativen) Fremdsprachenunterricht unverzichtbar ist, eben weil Regeln der Grammatik objektiv in der Sprache selbst vorhanden sind, von den Linguisten abgebildet und von den Sprechern (auch: Lernern) beherrscht werden müssen. Insofern ist die Frage nach dem Wert oder Unwert der Grammatik eine Scheinfrage [...]”.

[3] Weydt (1993: 136) erklärt dies polemisierend als “Pendelschwingungen zwischen den zwei Extremen in der Sprachlehrforschung. Nach einer gewissen Verabsolutierung der einen Phase wirkt die andere umso erfrischender  und effektiver und – schwupps – dreht sich die ganze Wissenschaft in eine andere Richtung.”

[4] Vgl. Helbig (1981: 49ff.).

[5] Zu dem Benennungsproblem siehe Helbig (1999: 103ff.). Zu prinzipiellen Unterschieden zwischen didaktischer und linguistischer Grammatik vgl. u.a. Helbig (1992/1999), Funk/König (1991: 14) und Nickel (1993). 

[6] Zur Klassifizierung von Grammatiken vgl. vor allem Helbig (1992b). Eine Zusammenstellung von Grammatiktypen aus dem  Blickwinkel des Fremdsprachenunterrichts vgl. Kleineidam/Raupach (1995).

[7] Den Anfang bildeten Nieder (1987), Latour (1988) und Häussermann/Kars (1988); in den 90ern folgten u.a. Rug/Tomaszewski (1993); Reimann (1995) und Buscha et al. (1997). Vorläufer dieser Entwicklung ist die auflagenstarke Grammatik von Helbig/Buscha, die 1972 erstmals erschienen ist und zur Zeit überarbeitet wird. An ihr zeigt sich aber auch, dass innerhalb des Bereiches “Deutsch als Fremdsprache” unbedingt differenziert werden muss: Die Grammatik ist vielfach kritisiert worden (vor allem als “zu schwer”), weil sie die einzige Grammatik für Deutsch als Fremdsprache war und somit auch Bereiche abdecken musste, für die sie nicht geeignet sein konnte.

[8] Jung (1993: 112) weist darauf hin, dass auch der noch so gut ausgebildete Muttersprachler die Grammatik der zu unterrichtenden Sprache nicht vollständig beherrschen kann – er sollte aber “wissen, wo er sich informieren kann.”

[9] Als Vorläufer dieser Frage kann das Motto der Budapester Grammatiktagung 1993 “Grammatik ja, aber meine” angesehen werden. Die Folge dieses – zugegebenermaßen provokativ zugespitzt formulierten – personengebundenen Auswahlkriteriums für eine Grammatik wäre, dass die Auswahl einer Grammatik durch den einzelnen Lehrer davon abhängt, bei wem er studiert hat.

[10] Dies ist auch noch in dem bereits mehrfach zitierten Sammelband von Harden/Marsh (1993) zu spüren. Im Vorwort heißt es: “[...] in allen Beiträgen läßt sich eine klare Tendenz zu “mehr Grammatik” feststellen.”(7)

[11] Anhand von Beispielen belegen die Autoren (1994: 109f.), dass die Arbeit mit Katalogen kontraproduktiv  sein kann, wenn die Benutzer einzelne Begriffe aus den Fragen nicht kennen oder wenn die Fragen bereits be-stimmte Prämissen voraussetzen (z.B. enthält die Frage “Gibt es Übungen, die einen spielerisch-kreativen Umgang mit Sprache ermöglichen?” die Annahme, dass Übungen, die zum freieren Umgang mit Sprache überleiten sollten, in Lehrwerken vertreten sein sollten. Zur Vermeidung solcher Schwierigkeiten regen Kast/ Neuner (1994: 110f.) an, in Fortbildungsveranstaltungen den Umgang mit solchen Katalogen zu üben.

[12] Anhand der hier vorgestellten Kriterienkataloge erarbeiten wir z.Zt. einen Grammatikenführer für Deutsch als Fremdsprache. Es ist nicht ausgeschlossen, dass noch Änderungen im Detail vorgenommen werden. Der geplante Grammatikenführer soll dem Fremdsprachenlehrer bei der Auswahl der für seine Zwecke günstigsten Grammatik helfen und den Studenten des Faches Deutsch als Fremdsprache an deutschen Hochschulen im Umgang mit Grammatiken schulen.

[13] Das erste Textkapitel in einer linguistischen Grammatik findet sich in Engel 1988; dem folgten Götze/ Hess-Lüttich 1989, die neueste Auflage der Dudengrammatik 1995 und Zifonun et al. 1997.

 

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