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Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, 7. Jg., Heft 13-14 / 1998, S. 340-342

 

 
DAS DIDAKTISCHE SPIEL ALS LERNTECHNIK IM FREMDSPRACHEN-UNTERRICHT


Hermine ªuteu



 

Die didaktischen Spiele oder Lernspiele mit ihrem breiten Spektrum von Anwendungsmöglichkeiten eignen sich als einwandfreie Lerntechniken eines modernen Fremdsprachenunterrichts. Die Vermittlung von Lerntechniken aber ist ein vernachläßigter Bereich der Fremdsprachenmethodik. Das didaktische Spiel hat in den letzten Jahren immer mehr an Beliebtheit (bei Schülern) und an Interesse (bei den Lehrern) gewonnen, insofern man von den Skeptikern absieht, die im Spiel verlorenen Zeitaufwand und Sprachenhemmer sehen.

Die heutigen Lehrbuchautoren sollten sowohl auf die Vermitlung von Lerntechniken achten, diese systematisch und gezielt in den Unterricht einbauen, als auch dem Lernspiel gegenüber optimistischer, offener reagieren.


1. Was sind Lerntechniken?


Laut Ute Rampillon sind Lerntechniken “Verfahren, die vom Lernenden absichtlich bzw. planvoll angewandt werden um seine Kenntnisse vorzubereiten”). Lerntechniken können Primarschülern schon dargeboten werden, in einer methodisch reduzierten Konzeption, als “Signale”.

Lerntechnicken im Unrerricht bedeuten flexiblere Lernziele, Kombinieren, so daß sie den Lernprozeß individuallieren auf der Stufe der Aufnahme (im Schulalter) und auf der der Verarbeitung (ältere Lehrgänge usw.) außerhalb der Schulischen, Jeder Lehrer sollte in senen Arbeitsstil als Teilkomponente Lerntechniken einflechten.

In methodisch-didaktischen Fachzeitschriften wird der Begriff “Lerntechnik” mit Arbeitshinweis, Instruktion, Lernstrategie, “Lernkniff” gleichgestellt.

Wann und wie Lerntechniken eingeführt werden sollten, hängt von vielen Faktoren ab. Jeder Lehrer müßte sich einen Überblick schaffen, was die didaktische Problemstellung anbetrifft und die Wahl der geignetsten Lerntechniken treffen. Andererseits sind seine kinder- und lernpsychologischen Kenntnisse entscheidend für den richtigen Einsatz von Lerntechniken. Auch muß er Kenntnisse über die Variation fremdsprachlicher Lerntechniken haben, um alternativgerecht die Lerntechniken zu handhaben.

Zu behalten ist, daß das Vermitteln von Lerntechniken ein Unterrichtsprinzip eines jeden Faches ist, und

die Vermittlung von Arbeitstechniken kann nicht bloß dem Zufall der situativen Laune des Lehrers oder sonstigen günstigen Gelegenheiten überlassen bleiben. (Vettiger/Kummer, 1979, S. 37f.)

Auch muß gesagt werden, daß nicht alle gennanten oder bekannten Lerntechniken angewandt werden müssen, um erfolgreich zu lernen. Wichtig für den Schüler ist, die für ihn geeigneten und wirksamen Verfahren zu kennen und anzuwenden. Die Kombination verschiedener Lerntechniken ist auch empfehlenswert.


2. Didaktisches Spiel als Lerntechnik und Übungsform in DaF


Bei Kleinschülern, im Primarunterricht, ist die schulische Tätigkeit motivationsarm. Das Interesse am Lernen kann mit Erfolg wachgerüttelt werden, wenn der Lehrer Lerntechniken wie das Lernspiel in den Unterricht einführt. Der Übergang von einfachen Lernspielen, die Freude und Spaß bereiten zu komplexeren Rollenspielen geschieht stufenweise, wobei die Motivation am Lernen immer mehr heranreift.

Auch das spielende Lernen ist die richtige Unterrichtsform bei Kleinkindern, wobei der Lehrer den Trennungsstrich zwischen Spiel und Arbeit weniger scharf ziehen sollte. Durch das Lernspiel ist die Arbeitsatmosphäre locker, es herrscht Freiwilligkeit, Gestaltungsfreude und Unverkrampftheit vor.

Das Lernspiel ist mit ansformulierten Lernzielen verbunden, ist wiederholbar, kann wann immer abgebrochen oder neu begonnen werden, der Spielablauf und -ausgang ist nicht festgelegt, die Telnehmer können diese nach ihrem Wunsch beeinflußen, lenken und kontrollieren.

Das einzig konkrete Detail des Spiels sind die Lernziele, die den Forderungen des Lehrplans entsprechen. Der fronzösische Pädagoge Portel, definiert als “Spiel” jene Tätigkeit, die durch die Teilnehmer, Beobachter oder Interaktionspartner stattfindet, wobei auf den lehrhafter Charakter geachtet werden muß. Daß Spiele im Unterricht Sprache fördern, hat sowohl eine linguistische Begründung als auch eine sprachdidaktische.

Es genügt nicht, grammatikalisch korrekte Sätze, Strukturen zu bilden, wenn keine Kommunikation zustande kommt. Moderne linguistische Richtungen sehen im Sprechen eine Form sozialen Handelns. Der Spracherwerb geschieht unter sprachlichen und nichtsprachlichen Bedingungen, die aber die Sprechhandlung realisieren (s. Leontev, 1992, 1).

Ute Rampillon unterscheidet 2 Gruppen von didaktischen Spielen vom Stand/Niveau der Fremdsprache ausgehend:

 

A. Lernspiele - Spiele mit Sprache. B. Rollenspiele - Spiele durch Sprache.


A. Lernspiele


Die Lernspiele eignen sich für den Anfãngerunterricht, wo durch ständiges Wiederholen (audiolingual und visuell) Sprache geübt oder Regelwissen betont wird.

Man darf das Lernspiel nicht mit “Drill” verwechseln. Der Unterschied, den man leicht erfassen kann, besteht darin, daß langweilige Übungsformen variationshalber in die Hüllen des Spiels verkleidet werden. Diesen gewissen “falschen” Spielcharakter trifft man bei Kreuzworträtseln, magischen Quadraten und Reimspielen an. Laut J. Wagner (1983, 173ff) sind “falsche” Lernspiele bloß Transformationsübungen mit Wettkampfcharakter.

Charakteristisch für die Lernspiele sind:

- Handlungsbezogenheit
- Interaktion zwischen den Teilnehmern
- Variabilität des Einsatzes

Die Untergruppen des Lernspiels sind laut Ute Rampillon:

1. geschlossenes Lernspiel (Drill-ähnlich)
2. eigentliches Lernspiel (Lottospiel, Würfelspiel, Quartettspiel)
3. Lernspiele durch Sprache (Ratespiele, Quiz, Interviewspiel)
4. kommunikativ orientiertes Lernspiel (Singspiel, Hörspiel, narratives Spiel)

Die Lernspiele oder Spiele mit Sprache ist jene Lerntechnik, die den Schüler für Kommunikation vorbereitet. Im Vordergrund steht für den Teilnehmer noch das Spiel, die Sprache schwebt auf zweiter Ebene. Den Sprung, die Sprache bewußt zu lernen, geschieht beim Spielbeteiligten in dem gegebenen Augenblick, wo dieser die Notwendigkeit empfindet, die Fremdsprache durch Lernen zu verstehen, um den Spielablauf zu beeinflußen, zu kontrollieren und zu lenken. Bewußter Spracherwerb, motiviertes Interesse bedeutet den ersten Schritt, die Fremdsprache als Kommunikationsmittel zwischen Lehrer und Lernenden zu benützen.


B. Spiele durch Sprache


Die zweite große Untergruppe der Spiele sind die Rollenspiele, wo verpflichtend und unabdingbar Interaktion stattfinden muß. Inhaltlich gesehen sind sie klar definiert und bürden dem Spieler bestimmte Verhaltungsweisen auf. Dieser Gruppe gehören das eigentliche Rollenspiel, das Simulations- oder Planspiel und das szenische Spiel an.

Rollenspiele bedeutet “Sozialisation” laut J. Wagner und ist ein typisches Kinderspiel. Kinder spielen gern “Im Kaufladen”, “Beim Arzt”, “In der Schule”, “Polizei und Räuber”, leider auch “Krieg” und “Folter”, die letzteren mit negativen Einflüssen auf die Persönlichkeit der Heranwachsenden. Auch der Lehrer findet am Rollenspiel immer mehr Interesse, vor allem durch den hervorgerufenen Spaß bei den Schülern und deren Spontaneität am Spielablauf. Laut Wagner ist das Ziel, der Zweck des Rollenspiels, traditionell gesehen, eine “Anpassung der Heranwachsenden” an die Gesellschaftsnormen durch die Übernahme (Transfer) vorgegebener Rollen (Wagner, 1983, 173ff).

Die Kinderrollen bedeuten Aktion, Handeln durch eigene Perspektive und Erfahrung. Das Auswendiglernen an Rollen hat hier keinen Sinn. Die Sprache selber schwankt zwischen freiem und gelenktem Sprechen. Der Spieler muß bei diesem Spieltyp die Sprache bewußt anwenden, die Lerntechniken, wofür er sich entscheidet, bleiben ihm frei.

Die Lernziele des Rollenspiels sind sowohl kognitiv, affektiv als auch sozial. Warum kognitiv? Die Schüler sollen in der Fremdsprache phonetisch und intonatorisch korrekt sprechen; die Zielsprache kontextgerecht anwenden. Warum affektiv? Die Sprachhemmungen werden durch Freude und Spaß abgebaut. Warum sozial? Gemeinsam mit anderen Schülern, denn nicht alle beteiligen sich als Spieler, wird ein Lernstoff erarbeitet. Teamarbeit, Partnerschaft sind soziale Formen dieser Rollenspiele, ein unverkennbarer Vorteil.


B.1. Das Simulations- oder Planspiel


Dem Simulations- oder Planspiel steht ein Wirklichkeitsmodell, ein Ausschnitt aus der Realität zugrunde. Im Spiel wird eine Aufgabe gegeben, die der Schüler gemäß einiger Voraussetzungen lösen soll. Die Spielgruppe beeinflußt, manipuliert den Verlauf, die Handlung, und macht Erfahrungen. Sind diese falsch, so sanktioniert sich der Spieler selbst, der Lehrer verbessert nicht.
Vorteile dieser Spiele sind: es gibt keine Strafe, Sanktionen; sie sind wiederholbar; sie sind regelgesteuert, können aber vom Spieler abgeändert werden; sie haben einen offenen Charakter.


B.2. Das Argumentationsspiel (Debatte)


Wagner (1983, 173ff) behauptet, daß das Simulationsspiel am weitgehendsten den Forderungen einer Kommunikation im Fremdsprachenunterricht entspricht. Grammatikspiele können vermittels Planungsspielen gefestigt, kontrolliert und verbessert werden.

Das Argumentationsspiel (Debatte) ist auch ein Spiel dialogischer Faktur. Die Schüler wählen die Gesprächsmuster und der Lehrer lenkt die Teilnehmer zu Argumenten, die sie im spiel brauchen. Voraussetzung für diese Spiele sind Argumente und/oder Informationen. Die dargebotenen Argumente, Informationen sind komplex, der Spieler entscheidet in der Wahl anhand seiner Kenntnisse. Sein Standpunkt muß dabei durch Argumente dargestellt werden. Am besten sollten Themen gebracht werden, die eine Vielfalt von Entscheidungen bereithalten.

Die Struktur des Spiels ist ein “für und gegen” (“pro und contra”) etwas/jemanden, z.B. “Dürfen Kinder abends fernsehen?” Durch Meinungsverschiedenheiten unter den Teilnehmern wird Sprache geübt. Die Rollenbesetzung besteht aus fünf Schülern (Mutter, Vater, Oma, ein Mädchen und ein Junge), die zu diesem Thema Stellung nehmen. Die Sielenden werden die Situation so wirklichkeitsnah empfinden, daß sie genau das äußern, was sie fühlen und denken. Ihre Meinungen und Entscheidungen sind persönliche. Da es das schwerste unter den Rollenspielen ist, eignet es sich auch für ältere Schüler. Das vorbereitete Sprachmaterial wird umgewälzt, individuell gebraucht, so daß spontan oft interessante Sprechsituationen einen unbefangenen Lauf nehmen.

Die Bedeutung, der Wert der didaktischen Spiele bestet darin, daß sie den Geist, die Kreativität der Schüler fördern, zu gutem sozialen Verhalten führen und nicht letztlich den Spracheinsatz stimulieren und motivieren.



Literatur:

 

1. Leontev, E.: Situationsbezug im Fremdsprachenunterricht - theoretische und praktische Hinweise, Frankfurt, 1992.

2. Rampillon, Ute: Lerntechniken im Fremdsprachenunterricht, (Handbuch), Düsseldorf: Max Hueber, 1989.

3. Vettiger, H./Kummer, V.: Lernziel: selbständige Arbeitstechniken für Schüler, Düsseldorf: Max Hueber, 1979.

4. Wagner, J.: Spiele im Fremdsprachenunterricht, Basel, 1983.
 

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Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, 7. Jg., Heft 13-14 / 1998, S. 340-342

 

 

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