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Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, 6. Jg., 1-2 (11-12) / 1997, S. 325-327

 



DIE LESEPROBE

 

RUMÄNISCHE LYRIK

Übersetzungen von Anny Leonhardt




VASILE ALECSANDRI

Frühlingsgäste
(Oaspeþii primãverii)


Jenseits in blauer Ferne zeigt sich am  Himmelssaum,
im Licht der Morgensonne ein dunkler Punkt im Raum.
Ein Storch! Als stiller Wandrer zieht er durch uns're Welt.
Er ist´s, der uns als erster des Frühlings Gruß bestellt.
Er kommt, zieht sanft ansteigend so ruhig Kreis um Kreis.
Und schnell, wie ein Gedanke fliegt in sein Nest er leis'.
Die Kinder springen munter, mit kaum bedeckter Brust,
laufen herzu und rufen: "Willkommen!" voller Lust.
Die Lerche in den Lüften, die Schwalben auf dem Dach
Im Wald und auf den Ästen sind wieder Vögel wach.
Sie zwitschern ohne Ende im warmen Sonnenschein
Und überm Teiche fliegen Kiebitze im Verein.
Ach! Sieh, da ist der Frühling mit seiner grünen Pracht.
Und Frohsinn, Hoffen, Lieben sind in der Welt erwacht.
Der Himmel und die Erde, sie tauschen Küsse aus,
durch gold´ne Sonnenstrahlen bei frohem Sangs Gebraus.

&

MIHAI EMINESCU

Venedig
(Veneþia)


Verklungen ist Venedigs stolzes Streben!
Kein Licht, kein Lied zum Tanze lockt verloren.
Auf Marmortreppen - vor den alten Toren,
Schickt sich der Mond, Wände fahl zu umweben.

Er nur, zur ew'gen Jugend auserkoren,
Okeanos! klagt, wenn sich die Wellen heben
Der süßen Braut einhauchen will er Leben -
Die alten Mauern droht er zu durchbohren.

Die Ruhe in der Stadt gleicht Friedhofschweigen.
Sankt Markus nur, Priester der Todgeweihten
Schlägt mitternächtlich, düster seinen Reigen.
Mit tiefer Stimme, sibyllin'scher Weiten...
Sagt er gemessen, sanft, wie es ihm eigen:
Umsonst rufst Tote du, aus Ewigkeiten!


Im Wellenspiel der Zeiten
(Din valurile vremii)


Im Wellenspiel der Zeiten, Geliebte, du erscheinst,
Mit deinen Marmorarmen und blondem Haar wie einst,
Mit durchsichtigen Wangen, wie Wachs so weiß und bleich.
Geschwächt von jenen Schatten, die weh- und schmerzenreich;
Mit deinem süßen Lächeln, so trostreich, wenngleich fern,
Als Frau unter den Sternen und unter Frauen Stern.
Und wenn dann deine Wange sanft auf der Schulter ruht,
Seh glückstrahlende Augen ich weinend, ohne Mut.
Wie kann ich diesem Nebel entreißen dich und fliehn,
Du heißgeliebter Engel, an meine Brust dich ziehn.
Mit Tränen in den Augen ich über dich mich neig,
Erstickend dich in Küssen all meine Lieb' dir zeig.
Und deine kalten Hände erwärmend an der Brust
Halt näher, immer näher, dem Herzen ich voll Lust.
Doch ach, ein flüchtig Bild nur verlierst du dich so bald
Und auch dein Schatten schwindet in dichtem Nebel kalt.
Ja, wieder steh ich einsam, die Arme hängen schwer
Traurig bleibt die Erinn'rung an jenen Traum so hehr.
Auch deinen süßen Schatten, vergeblich such' ich ihn...
Im Wellenspiel der Zeiten wird er mich ewig fliehn.
 

Oft kam entlang die Pappeln ich
(Pe lângã plopii fãrã soþ)


Oft kam entlang die Pappeln ich
Von Liebesglut gebannt...
Die Nachbarn kannten alle mich,
Du hast mich nicht gekannt.
Wir oft verstohlen blickte ich
Zu deines Fensters Licht -
Die Leute all' verstanden mich,
Doch du verstandest nicht.

Gewartet habe ich so sehr,
Nur auf ein Wort von dir,
Daß einen einz'gen Tag - nicht mehr,
Du schenkest freudig mir.

Freunde, wenn auch nur eine halbe Stund'
Der Liebe zu Gebot
Hör'ich das Wort aus süßem Mund
Kurz nur, dann komm, oh, Tod!

Warum aus deiner Augen Pracht
Gebst du nicht einen Strahl -
Als Licht mir mit in dunkle Nacht,
Als Stern im weiten All ?

Dafür wär' dir für alle Zeit
Unsterblichkeit beschert
Und du würdest in Ewigkeit
Als Marmorbild verehrt.

Ein ewig angebetet Bild
Wie unterm Sternenzelt
Nur jene Feen, sanft und mild,
Durchstreifen diese Welt.

Mit wilden Blicken liebt' ich dich
Voll Leidenschaft und Pein.
So wie von Eltern es auf mich
Mag überliefert sein.

Heute tut es mir nicht mehr weh,
Denn seltner komm ich hin -
Wenn ich dich traurig werden seh,
Daß ich ein andrer bin.

Denn heute bist wie alle du -
Dein Gang, wie dein Geschick.
Gleichgültig schau ich dir jetzt zu
Mit kaltem, totem Blick.

Wie hast du jenen Zauber nicht
Verspürt und angefacht...
Und ihn als ird'scher Liebe Licht
Entzündet Nacht für Nacht.

&


ALEXANDRU VLAHUÞÃ

Ein Märchen scheint's
(Par basme)


Ein Märchen scheint's, erzählt man's dir,
doch ist's dein eignes Leben,
das durch Erinnerungen wir -
aus Nebeln sich will heben.

Wie bist du fremd, dem eignen Blut!
Erkennst du dich auch wieder?
Wo ist dein Herz, das allen gut,
vertrauensvoll und bieder.

Such es nicht mehr, du schreckst zurück,
denn hinter dir ist nichts als Qual.
So oft gestorben ist dein Glück,
auf Wegen durch dies Jammertal.

Umsonst suchst du, mit einem Blick,
dich wieder zu erkennen -
Das Herz von einst, von sel'gem Glück,
hörst Fremde du nur nennen.

Was dir einst lieb, was dir einst Traum,
wie ward es dir zunichte?
Verändert oft, erkennst du kaum,
als Helden dich in der Geschichte.

&

TUDOR ARGHEZI

Ungewißheit
(Incertitudine)


Sieh an meinem Fenster hängen,
blaues Himmelsgras in Mengen.
Sterne an tausend Fäden bahnen
sich den Weg, ohne's zu ahnen.

Wie ein Schwamm saugt meine Seele
leise Tränen, ohne Fehle,
zitternd, glänzend, Reih' um Reih',
aus den Sternen sich nun frei.
Mit der Vielfalt meiner Trauer...
mischten sich der Nächte Schauer
und des Herrgotts Augenbrau´
fällt ins Tintenfaß mir, schau!

Öff'n ein Buch ich, stöhnt's alleine,
such' die Zeit ich, Zeit ist keine!
Singen? Nein, doch sieh: ich bin!
Bin ich wohl? Was sagt mein Sinn?

Mein Gedanke - wem gehört der?
Und in welchem Märchen führt er -
mich auf der Erinn'rung Wege,
wo in allem ich einst rege...

Ja, so schreib' ich, selbstvergessen,
von dem Ruf des Moor's besessen,
aus dem Reich der Poesie...
Und "Arghezi" zeichn' ich sie.
 

* * *

Die Übersetzerin an die Redaktion:

Pot sa va rog sa cercetati daca mai exista traducerile mele din poeziile lui Eminescu in limba germana, cred ca le-am trimes in anul 1959 Universitatii Bucuresti si m-as bucura daca au "supravietuit". Am trait din 1944 pana in 1969 sub regimul comunist si ca sa mai uit literatura prescrisa comunista am inceput sa traduc poezii de Eminescu, poetul meu favorit inca din timpul liceului. Am incercat si poezii de Vlahuta, V. Alecsandi si T. Arghezi, dar mai mult m-am ocupat de poezia lui Eminescu. La traducerea poeziei Luceafarul am lucrat 3 ani de zile pâna am fost multumita si mi-a atestat si profesorul dr. Henrik Becker de la Universitatea din Jena ca este foarte reusita si in limba poetica germana.

Mi-ar face placere sa aflu ca lucrarile mele mai exista la Dumneavoastra.
Va multumesc pentru atentie si adaug câteva exemple, daca s-au pierdut traducerile mele, sa puteti cunoaste felul meu de a interpreta poezia eminesciana in limba germana.

gez. Anny Leonhardt
Siebenbürgerplatz 8
51674 Wiehl

PS. Am studiat la Cluj si la examenul de licenta profesorul Sextil Puscariu mi-a spus: “Daca n-ar fi numele as crede ca esti românca.”

 

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Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, 6. Jg., 1-2 (11-12) / 1997, S. 325-327

 

 

Coordonator sectiune: Madalina Marcu | Asistenti: Cristina Caramihai | Andreea Baranga

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