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Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumäniens (ZGR), 9. Jg., Heft 17-18 / 2000, S. 412-413

 

 

Bücher- und Zeitschriftenschau

 

Lucian Vãrºãndan: als das wort zu ende war, eurobit verlag, temeswar 2000. 44 S.

 

 

Ein traditionsgebundener Nonkonformist? Ein innovativer Lyriker? Ein sprachskeptischer Wortschöpfer? Ein tiefsinniger Kritiker? Ein sensibler Poet? Diese Fragen eröffnen den ästhetischen Rezeptionsweg, der für den Lyrikband von Lucian Vãrºãndan eingeschlagen werden kann. Die Knappheit der lyrischen Texte erweckt in ihrer Kleinschreibform Erinnerungen an die “konkrete poesie” und an die protestierende Schreibform der “aktionsgruppe banat”, deren vorbildliche Positionen einen wahren Nachfolger gefunden haben. Die Tiefendimension der Aussage, das besondere Sprachgefühl, die sichere Versführung und die innovativen Sprachspiele melden eine einfühlsame Dichterstimme. Die Vorliebe für kurze Texte konkretisiert sich in der Vielfalt der Formen wie Kurzgedichte, Collagen und experimentelle Texte, unter denen einige als eine Art Mikro-Hörspiele betrachtet werden können. Die Texte sind genau durchstrukturiert, manieristisch geschliffen, auf eine Pointe hinausgebaut, die letztendlich in Ironie, Sarkasmus oder Nachdenken umschlägt. Spannende Momente, die einen gut durchdachten inneren Rhythmus aufweisen, konkretisieren sich im Schlußwort oder -satz, die eine überraschende Wende mit sich bringen oder sich in Dekonstruktion auflösen. Scharfsinnig und dennoch locker klingen die in freien Rhythmen geschriebenen Verse. Die Makellosigkeit der lyrischen Kompositionen beweist einen Hang zur Perfektion, zur Selbstilisierung wie auch zur Selbstzensur. Der Drang, die schon festgeschriebenen Texte stets umzugestalten, führt oft zur Verfeinerung der lyrischen Aussage.

Die Gedichte bieten eine Vielfalt von Themen, die auf die verschiedensten Auslöser beruhen wie Stimmungen, Beobachtungen, Gefühlsausbrüche, die literarisch umgestaltet wurden, ohne daß ein programmatisches Vorgehen intendiert gewesen sei. Die heterogene Zusammensetzung des Debütbandes ist auf die Aufnahme der vielen Gedichte zurückzuführen, die von der Entstehungszeit weit auseinander liegen. Wichtige Themen, die angeschnitten werden sind z.B. die brisant aktuellen Probleme der Straßenkinder, Minderheitenpolitik, Auswanderung, Fragen der europäischen Politik, die parallell mit dem individuellen Dasein erörtert werden. Banale Elemente des Alltags werden mit feiner Ironie dargestellt – beispielweise in sonderanlass kritisiert der Autor die vernichtende Gleichgültigkeit der Menschen der Kulturtradition gegenüber. Im Gedicht kongreß erklingen kritische Töne in bezug auf die Scheinwelt, in der die Mechanismen der “robotisierten”  Politiker und Kongreßmänner sehr gut funktionieren, zu Ungunsten der “anderen”. Die leeren Aussagen der Berufsredner wird andernorts mokiert und auch die Verhaltensmuster der Privilegierten. Städtebilder und Menschenporträts plädieren für die Akzeptanz des Andersseins, für Verständnis und Toleranz für das Fremdartige. So entsteht ein ironisch anmutendes, aber zugleich tiefsinniges Spiel in bezug auf das Recht auf einen “mehrsprachigen schaffner” im “mehrvölkerabteil” eines in Richtung Frankfurt fahrenden Zuges. So ähnlich ist auch das Toleranz-Spiel mit Rechtschreiberegeln im Gedicht von innen, das neue Blickpunkte und Perspektiven eröffnet. Eine starke Alternanz von Gedichten mit kritisch-ironischem Ton und nostalgisch-tiefempfundenen Stimmungen ergibt sich beim Lesen dieser lyrischen Texte.

Lucian Vãrºãndan geht gewagte Spiele mit den verschiedensten Schreibarten ein, gebraucht Signalworte, die eine raffinierte Reduktionstechnik erkennen lassen, wobei die semantischen Felder eine ganze Welt miteinbeziehen. Poesie des Alltags in verkappter Kurzform wäre eine adäquate Formulierung, die für die Schreibweise des vielversprechenden Schriftstellers zutreffend ist. Die Wortspiele, die sich auf den verschiedenen Sprachebenen bewegen, wenden eine atemberaubende Machart an. Die klare Aussage der überstilisierten Texte intendiert die Mobilisierung der kommunikativen Valenzen, die Tiefen des Gedankenaustausches und die effektvolle Rezeption.

Eleonora Pascu

 

Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumäniens (ZGR), 9. Jg., Heft 17-18 / 2000, S. 412-413

 

 

Coordonator sectiune: Madalina Marcu | Asistenti: Cristina Caramihai | Andreea Baranga

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