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Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumäniens (ZGR), Jg. 9, Heft 17-18 / 2000, S.305-311  

 

 

Die neue Rechtschreibung im Unterricht

 

Marianne Marki


0. Einleitung

In den deutschen Schulen wird ab August 1998 die neue Rechtschreibung gelehrt. Die alte Rechtschreibung soll bis zum Jahr 2005 als überholt, aber nicht als falsch gelten. Ab 2005 ist dann das neue Regelwerk für alle Schulen und Behörden verbindlich. „Für die Zeit der Unterzeichnung der internationalen Vereinbarung (am 1. Juli 1996) und dem offiziellen Start der Rechtschreibreform (am 1. August 1998) kam noch im Juli 1996 ein Erlass des Bundesministeriums für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten für die Schulen heraus mit folgenden Übergangsregeln: Bis zum In-Kraft-Treten der ,Rechtschreibreform 1998‘ sollten bereits die Neuregelungen bei den Leistungsbeurteilungen geduldet werden. Von der verbindlichen Einführung (31. Juli 2005) dürfen alle bisher in den anerkannten Wörterbüchern verzeichneten Schreibweisen noch nicht als Fehler gewertet werden, doch sollen sie in den Schülerarbeiten bereits korrigiert werden, um die Lernenden an die neue Rechtschreibung zu gewöhnen.“ (Ebner/ Fussy, 1999: 42) Das heißt, dass man sich in der Übergangsfrist bis zum Jahr 2005 auf die neue Rechtschreibung einstellen muss. Umlernen ist aber immer mühsamer als neu lernen und deshalb sehen die neuen Regeln für Menschen, die die alten Regeln ziemlich gut beherrschen, auf den ersten Blick nicht unbedingt einfacher aus. Für neu Lernende sind jedoch Vereinfachungen erkennbar.

Die neue Rechtschreibung, die die Regelung von 1902 und alle anschließenden ersetzt, will den Schreibern Erleichterungen bringen und dabei nur wenig in das bestehende Schriftbild eingreifen. Sie bemüht sich um eine Vereinfachung der Rechtschreibung, indem sie versucht eine Reihe von Ausnahmen und Besonderheiten abzuschaffen und eine Neuformulierung der Regeln nach einem einheitlichen Konzept zu verfolgen. Die Regeln sind grammatikalisiert worden, was nicht immer einfacher ist, weil man grammatische Kenntnisse braucht (vgl. Getrennt- und Zusammenschreibung).

Im neuen Regelwerk herrscht eine gewisse Freiheit. In vielen Fällen hat man die Wahl zwischen mehreren Möglichkeiten oder auch zwischen alter und neuer Schreibung:

Ÿ Bei schwierigen Fällen werden verschiedene Schreibungen zugelassen:

- bei festen Wendungen: auf Grund/ aufgrund  von Seiten / vonseiten

- bei der Kommasetzung vor und/oder oder beim Infinitiv

- bei Bruchzahlen mit Maßangaben: ein viertel Kilogramm/ein Viertelkilogramm drei hundertstel Sekunden/drei Hundertstelsekunden

Ÿ Bei Fremdwörtern werden mehr deutsche Schreibungen zugelassen, die zunächst als fakultative Nebenform neben die bisherige Schreibung tritt:

          Panther/Panter

          Delphin/Delfin

          Geographie/Geografie

Ÿ Bei Fremdwörtern lateinischer und griechischer Herkunft gelten beide Formen der Silbentrennung, da auch die Trennung nach Sprechsilben erlaubt wird:

          Päd-ago-gik/Pä-da-go-gik

          Chir-urg/Chi-rurg

Ÿ Einige Bereiche, die bislang nicht amtlich geregelt waren, werden jetzt amtlich geregelt, z.B. die Getrennt- und Zusammenschreibung.

Man versucht also das Schreiben zu erleichtern, ohne den optischen Eindruck des Geschriebenen viel zu ändern. Deshalb dürfte die Umstellung keine allzu großen Schwierigkeiten bereiten, vor allem dann nicht, wenn dem Schreibenden geeignete Informationen zur Verfügung gestellt werden, die Auskunft über die Grundregeln unserer Rechtschreibung geben, das Neue neben die bisherigen Regelungen stellen und somit den Übergang auf die neue Rechtschreibung sichern. Eisenberg weist darauf hin, dass die Reform noch insgesamt übersehbar ist. „Setzt man für die geschriebene Sprache einen standardsprachlichen Grundwortschatz um etwa 15.000 Wörtern an, dann ändert sich die Schreibweise bei etwa 600 dieser Wörter. (vgl. Eisenberg, 1996: 5)

Solche Änderungen der Schreibweise können einzelne Wörter oder ganze Wortgruppen betreffen. Regeländerungen finden sich in allen Bereichen. Deshalb ist das neue Regelwerk in sechs Teilbereiche aufgegliedert:

1. Laut–Buchstaben–Zuordnung

2.Getrennt– und Zusammenschreibung

3. Schreibung mit Bindestrich

4. Groß– und Kleinschreibung

5. Zeichensetzung

6. Worttrennung am Zeilenende

1. Laut–Buchstaben–Zuordnung

Die Änderungen im Bereich der Laut–Buchstaben–Zuordnung sind gering, da die Neuregelung nicht in die überlieferte deutsche Wortschreibung eingreift. Wenn Änderungen erfolgen, wird meist das Stammprinzip konsequenter angewendet oder der Zusammenhang im Wortschatz betont. In diesem Bereich gibt es folgende Neuerungen:

- die Anwendung der Stammschreibung bei Konsonanten in abgeleiteten Wörtern (konsequente Angleichung der Konsonanten nach kurzem Vokal):

numerieren è nummerieren (zu Nummer)

Stop è Stopp (wegen stoppen)

plazieren è platzieren (zu Platz)

- die Vereinfachung der s-Schreibung. Nach kurzem Vokal wird konsequent ss geschrieben:

Fluß è Fluss

daß è dass

Haß è Hass

- die Schreibung mit drei Konsonanten in Zusammensetzungen:

          Schiffahrt è Schifffahrt

          Brennessel è Brennnessel

          Kreppapier è Krepppapier

- die Vereinheitlichung von Wörtern mit –h, besonders am Wort- und Silbenende (konsequente Stammschreibung bei Zusammensetzungen und Ableitungen):

          Roheit è Rohheit (zu roh)

          Zäheit è Zähheit (zu zäh)

         aber:       rauh è rau (wie grau, blau)

          Känguruh è Känguru (wie Gnu, Kakadu)

- die konsequente Stammschreibung bei den Umlauten ä und äu:

          behende è behände (zu Hand)

          schneuzen è schnäuzen (zu Schnauze)

- die eingedeutschten Variantenschreibungen bei Fremdwörtern:

          Spaghetti/Spagetti

          Thunfisch/Tunfisch

          Orthographie/Orthografie

2. Getrennt-  und Zusammenschreibung

Die Getrennt- und Zusammenschreibung ist im Deutschen ein komplexer Bereich, der im amtlichen Regelwerk von 1901/1902 nicht generell geregelt war. Bisher hing die Schreibung vieler Wörter davon ab, ob sie in konkreten oder übertragenen Bedeutungen gebraucht waren (auf dem Stuhl sitzen bleiben = konkrete Bedeutung; in der Schule sitzenbleiben = übertragene Bedeutung). In der neuen Rechtschreibung wird die Unterscheidung von konkreter und übertragener Bedeutung als Kriterium für Getrennt- und Zusammenschreibung aufgegeben, weil die Grenze zwischen konkreter und übertragener Bedeutung oft schwer erkennbar ist. Man verzichtet darauf bei der Schreibung nach inhaltlichen Kriterien zu differenzieren und zieht formalgrammatische Kriterien heran, die mit Hilfe von Proben überprüft werden können.

Die Rechtschreibreform stoppt den Trend zur Zusammenschreibung und man geht davon aus, dass die getrennte Schreibung der Wörter der Normalfall ist. Dennoch bleibt auch weiterhin die Getrennt – und Zusammenschreibung ein Problembereich und es ist schwierig die Getrennt – und Zusammenschreibung so zu regeln, dass sie wirklich fassbar und anwendbar ist.

Die wichtigsten Änderungen lassen sich in folgende Gruppen zusammenfassen:

(1) Neue Schreibweisen bei Wendungen mit einem Verb als zweitem Bestandteil:

Ÿ Getrenntschreibung bei Wendungen mit mehrteiligem Adverb und (erweiterbarem/ steigerbarem) Adjektiv als erstem Bestandteil:

abwärtsgehen è abwärts gehen

gutgehen è gut gehen (besser gehen)

Ÿ Getrenntschreibung von Wendungen mit einem Substantiv als erstem Bestandteil (zusammengeschrieben werden Wendungen mit stark verblassten Substantiven: heimkommen, irreführen, stattfinden, teilnehmen, wettmachen, wundernehmen):

radfahren è Rad fahren; haltmachen è Halt machen

Ÿ Getrenntschreibung der Verbindungen aus zwei Verben:

kennenlernen è kennen lernen

liegenbleiben è liegen bleiben

Ÿ Getrenntschreibung bei Wendungen mit sein

beisammensein è beisammen sein

dasein è da sein

(2) Neue Getrenntschreibung bei Wendungen mit einem Adjektiv oder Partizip als zweitem Bestandteil gibt es in folgenden Fällen:

Ÿ bei Partizipien (Partizip I/ Partizip II) analog zum Verb:

haltgemacht è Halt gemacht

kennengelernt è kennen gelernt

händeschüttelnd è Hände schüttelnd

Ÿ bei einem Partizip als erstem Teil:

kochendheiß è kochend heiß

leuchtendrot è leuchtend rot

Ÿ bei einem Adjektiv (das erweitert oder gesteigert werden kann) als erstem Teil:

leichtverständlich è leicht verständlich

ernstgemeint è ernst gemeint

Ÿ bei –ig, -lich, -isch im ersten Wort:

eisigkalt è eisig kalt

riesiggroß è riesig groß

(3) Neue Schreibweisen bei mehrteiligen Adverbien, Konjunktionen, Präpositionen:

Ÿ irgend etwas ( irgendetwas)

  irgend jemand ( irgendjemand)

 

Ÿ soviel / so viel

  wieviel / wie viel

 

Ÿ auf Seiten / aufseiten

  von Seiten / vonseiten

  mit Hilfe / mithilfe

3. Schreibung mit Bindestrich

Bei der Schreibung mit Bindestrich kommen keine wesentlichen Neuerungen vor. Laut neuer Schreibung verwendet man:

Ÿ einen Bindestrich bei Zusammensetzungen aus Ziffern und einem Wort:

18jährig è 18-jährig

3tonner è 3-Tonner

Ÿ keinen Bindestrich bei Farbmischbezeichnungen und bei Zusammensetzungen, in denen der erste Teil nicht mehr selbständig vorkommt:

blau-grün è blaugrün

afro-asiatisch è afroasiatisch

4. Groß – und Kleinschreibung

Die Groß– und Kleinschreibung gehört zu den umstrittensten Bereichen der Rechtschreibung. Auf diesem Gebiet gab es nicht nur allzuviele Regeln, sondern auch eine große Zahl von Einzelfestlegungen ( in bezug auf – mit Bezug auf; ins Schwarze treffen – ins reine schreiben u. ä.). Das Deutsche hat noch eine Großschreibung der Substantive. Weil aber die Abgrenzung der Substantive von anderen Wortarten teilweise schwierig ist, entfällt ein Großteil aller Schreibfehler auf die Großschreibung der Substantive. Bei der Neuregelung wurde davon ausgegangen, dass man alle Wörter, die die Merkmale eines Substantivs haben, groß schreibt. Die Neuregelung knüpft daran an, dass Lerner einen davor stehenden Artikel oder ein Attribut als Merkmal eines Substantivs kennen gelernt haben. „Die Regeln für die Groß- und Kleinschreibung erlauben es, bei richtiger Anwendung mehr als 95 % aller Schreibfälle richtig zu schreiben, ohne dass man im Wörterbuch nachschlagen müsste (nach der alten Regelung sind es nur etwa 60%)“ (Blüml/Ebner, 1997: 22). Die bisherigen Regelungen bleiben weitgehend bestehen, es kommen aber einige Großschreibungen hinzu. Die Änderungen in diesem Bereich lassen sich schwer zusammenfassen, weil sie mehr in den Einzelheiten liegen. Die wichtigsten Änderungen sind:

Ÿ Die Großschreibung von Substantiven in festen Wendungen, insbesondere mit Präpositionen:

außer Acht lassen

zu Hilfe kommen

Rad fahren

Recht haben

aber die Substantive: Angst, Bange, Gram, Leid, Pleite, Schuld schreibt man in Verbindungen mit sein, werden, bleiben klein.

Ÿ Die konsequentere Großschreibung von Wörtern anderer Wortarten, die als Substantive gebraucht werden:

in/auf deutsch è in/auf Deutsch

als erstes è als Erstes

der erste è der Erste

der einzige è der Einzige

Ÿ Die Großschreibung der Tageszeiten:

heute abend è heute Abend

Ÿ Die Großschreibung von Substantiven im Inneren mehrteiliger Fügungen aus Fremdwörtern:

Alma mater è Alma Mater

Ÿ Die Großschreibung von Substantiven bei namensähnlichen Fügungen:

die dritte Welt è die Dritte Welt

Ÿ Die Kleinschreibung der Anredepronomen du, ihr, dein, euer in Briefen.

Ÿ Die Kleinschreibung von Wendungen:

die Erste Hilfe è die erste Hilfe

der Letzte Wille è der letzte Wille

5. Zeichensetzung

Die Regeln der Zeichensetzung haben sich durch die Rechtschreibreform nicht allzuviel geändert. Von allen Interpunktionszeichen erfordert das Komma die meisten Regeln, deshalb werden die Kommaregeln klarer strukturiert und vereinfacht. Die Schreibenden haben jetzt mehr Freiheit bei der Kommasetzung, da nach der neuen Schreibung in vielen Fällen das Setzen eines Kommas nicht mehr obligatorisch ist. Gegenüber der bisherigen Duden-Regelung gibt es Vereinfachungen beim Komma vor und/oder sowie in Verbindungen mit Infinitiv- und Partizipgruppen.

6. Worttrennung am Zeilenende

Nach der neuen Rechtschreibung erfolgt die Worttrennung nicht nach Sprachsilben sondern nach Sprechsilben. Man trennt ein Wort so, wie es sich beim langsamen Sprechen in Silben zerlegen lässt und nicht nach dem grammatischen Aufbau des Wortes. Daraus ergeben sich die wichtigsten Änderungen:

Ÿ Einzelne Buchstaben können abgetrennt werden:

Abend è A-bend

Ofen è O-fen

Ÿ st darf getrennt werden:

Fen-ster è Fens-ter

Ka-sten è Kas-ten

Ÿ ck darf nicht getrennt werden

Zuk-ker è Zu-cker

stek-ken è ste-cken

Ÿ In zusammengesetzten Wörtern ist die Trennung nach Sprech – und Sprachsilben weitgehend freigestellt:

hin-auf/hi-nauf

ein-an-der/ei-nan-der

Ÿ Fremdwörter kann man auch nach Sprechsilben trennen:

Ab-itur/A-bi-tur

Di-phthong/Diph-thong

Es gibt kein einheitliches Prinzip für die Normung der Rechtschreibung, sondern eine ganze Reihe von Prinzipien, die sich teilweise überschneiden. Die neue Rechtschreibung verstärkt wesentliche Prinzipien der Rechtschreibung:

(1) Das Lautprinzip. Die deutsche Rechtschreibung beruht auf einer Buchstabenschrift. Die 26 Buchstaben des lateinischen Alphabetes stehen für mindestens 42 Laute zur Verfügung. Die Zuordnung von Lauten und von Buchstaben orientiert sich an der deutschen Standardsprache. Als Faustregel gilt: „Schreibe wie du sprichst. Aber sprich deutlich und sprich Hochsprache“ (vgl. Bünting, 1996: 1371). Die neue Rechtschreibung verändert die Laut–Buchstaben–Zuordnung nicht. Die Schreibung einzelner Wörter wird an die Grundregel angepasst (rau früher rauh). Dem Lautprinzip folgt auch die Trennung am Zeilenende, da nun nach Sprechsilben getrennt wird.

(2) Das Stammprinzip (Prinzip der Schemakonstanz) besagt, dass verwandte Wörter oder Wortformen gleich geschrieben werden sollen, damit man sie in ihrer Zusammengehörigkeit erkennt. Die Faustregel ist: „Man soll auch in den gebeugten und abgeleiteten Formen den Wortstamm in der Schreibung wiedererkennen, so kann man sehen, welche Wortformen und Wortbildungen zu einem Stamm gehören“ (vgl. Bünting, 1996: 1371).

Die Neuregelung konzentriert sich darauf, Verstöße gegen das Stammprinzip zu beseitigen und deshalb schreibt man nun:

behende è behände (zu Hand)

aufwendig è aufwändig (zu Aufwand)

Diese Schemakonstanz sichert ein rasches Erkennen einzelner Wörter. Schwierig an diesem Verfahren ist, dass in manchen Fällen nicht klar ist, ob eine Wortverwandtschaft vorliegt oder dass eine Wortverwandtschaft rechtschreiblich nicht beachtet werden muss (z.B. Eltern trotz alt). Eine Hilfe ist die Bildung von Wortfamilien. Eine weitere Neuerung zugunsten der Stammschreibung betrifft die Zusammensetzungen. Jeder der Bestandteile der Zusammensetzung behält all seine Buchstaben. So kann die Schreibung mit drei gleichen Konsonanten erklärt werden (Schifffahrt = Schiff + Fahrt). Damit die Zahl der gleichen Buchstaben leichter erkennbar ist, zerlegt man die Zusammensetzung nach demselben Muster (z.B. Geschirrreiniger = Geschirr + Reiniger).

(3) Das grammatische Prinzip regelt die Rechtschreibung nach grammatischen Gesichtspunkten. Das Verstehen der Rechtschreibung braucht ein gewisses Maß an Grammatik und anderen sprachlichen Einsichten (siehe: Großschreibung, Zeichensetzung, Getrennt– und Zusammenschreibung). Die Rechtschreibreform folgt weiterhin diesem Prinzip, lockert aber die Kommaregeln, vor allem beim Infinitiv.

(4) Das Analogieprinzip geht davon aus, eine einmal gefundene Regel auf möglichst viele Fälle auszudehnen. Ein Beispiel dafür ist: Bei der Worttrennung am Zeilenende darf:

Ÿ konsequent die Silbentrennung angewendet werden:

A-bend, he-rauf, Pä-da-go-ge

Ÿ Rad fahren, schreibt man getrennt, weil Auto fahren, Schlitten fahren schon immer getrennt geschrieben wurden

(5) Das Herkunftsprinzip. Die Schreibung der meisten Fremdwörter richtet sich auch nach der Reform nach dem Herkunftsprinzip. Ein Wort wird in Angleichung an die Schreibweise in der jeweiligen Fremdsprache geschrieben: Chance (franz.), Pizza (ital.), Mokka (arab.), Navigation (lat.), Shorts (engl.) u.a.

Viel gebrauchte Fremdwörter schreibt man schon seit einiger Zeit in deutscher Schreibweise (Büro, Frisör u.a.).

Die Rechtschreibreform fügt nur wenige eingedeutschte Schreibungen dazu, und das auch nur als zweite Möglichkeit:

Delphin è Delphin/Delfin

Spaghetti è Spaghetti/Spagetti

Geregelt wurde die Schreibung der Ableitungen –enz bzw. –anz. Die Schreibung mit z ist die Hauptform. Die bisherige Schreibung t bleibt als Nebenform bestehen. Um die neue Schreibung plausibel zu machen, kann als methodische Hilfe das zugehörige Substantiv herangezogen werden. Die dort vorherrschende Schreibweise auf z wird im Adjektiv übernommen:

potentiell – potenziell/potentiell (zu Potenz)

differentiell – differenziell / differentiell (zu Differenz)

(6) Das pragmatische Prinzip.Wichtiges wird durch die Schreibung hervorgehoben, oder Teile eines Textes können durch Schreibung abgegrenzt werden. Dieses Prinzip wird angewandt bei der Groß– und Kleinschreibung (z.B. zur Kennzeichnung von Eigennamen oder höflichen Anrede durch Großschreibung), bei der Zeichensetzung (wichtige Textstellen werden hervorgehoben), bei der Schreibung mit Bindestrich (z.B. zur Abgrenzung von Ziffern).

(7) Das Unterscheidungsprinzip. In der Neuregelung wird dieses Prinzip weitgehend aufgegeben. Es wird noch angewandt bei der Laut-Buchstaben-Zuordnung (Wörter, die gleich lauten, aber verschiedene Bedeutung haben, können durch unterschiedliche Schreibung differenziert werden: LidLied, malenmahlen u.a.), bei der Getrennt- und Zusammenschreibung (gut schreibengutschreiben u.a.).

Rechtschreibung ist nicht losgelöst von anderen Inhalten des Unterrichts. Mit mehr Sprachfähigkeit lernt man auch mehr Rechtschreibung und das Erfassen eines Wortes trägt zugleich bei, die Bildung und Bedeutung von Wörter zu erfassen. Rechtschreibung ist gleichzeitig ein wichtiges Mittel zur Textaufnahme und somit zum Erwerb von Information und Bildung. Davon ausgehend hat der Lehrstuhl für deutsche Sprache und Literatur der West-Universität Temeswar ein Lehr- und Arbeitsbuch Die neue Rechtschreibung herausgebracht, das sowohl für das Selbststudium, als auch für die Unterrichtsvorbereitung des Lehrers geeignet ist. Das Buch ist in drei Teile gegliedert:

1. Der erste Teil gibt einen kurzen Überblick über die Grundregeln der deutschen Rechtschreibung. Die Darstellung der Regeln versucht möglichst verständlich und übersichtlich zu sein. Es werden Beispiele gegeben, durch die man Zugang zu den Regeln gewinnt. Durch die Beispiele wird alte und neue Schreibung im Vergleich verdeutlicht.

2. Der zweite Teil umfasst zahlreiche Übungen zur Erarbeitung und Festigung der neuen Schreibregeln. Die Übungen sind so gestaltet, dass sie in einen vielseitigen Deutschunterricht integriert werden können.

3. Der dritte Teil bringt einen ausführlichen Lösungsschlüssel, der es ermöglicht, das Buch auch im Selbststudium einzusetzen, da es dem Lerner die notwendige Kontrolle bietet.

Das Lernen der Rechtschreibung soll hauptsächlich nach Strukturen erfolgen. Als Lehrer soll man das üben und einlernen, was einen hohen Grad an Schreibsicherheit darstellt, und sich nicht nur auf einige Zweifelsfälle oder Ausnahmen konzentrieren. In Zweifelsfällen sollte man nachschlagen. Deshalb ist der Umgang mit Nachschlagewerken sehr wichtig. Der Lerner oder Umlerner soll wissen wo und wie man nachschlagen kann, um sich die nötigen Informationen zu beschaffen.

Die Frage, die sich ein Lehrer stellen sollte ist: Was ist wichtig? Was soll eingeübt werden? Wichtig ist in erster Linie das Kennen einiger Grundregeln, z.B.:

Ø Bei der Getrennt- und Zusammenschreibung soll man sich merken, dass die Getrenntschreibung der Normalfall ist.

Ø Bei der Groß- und Kleinschreibung hebt man hervor, dass Wörter, die die Merkmale eines Substantivs tragen, groß geschrieben werden (Ausnahmen: ein, ander, viel, wenig).

Ø Bei der Kommasetzung merkt man sich, dass ein Komma zwischen Sätzen, Aufzählungen, Einschüben steht und deckt somit fast 90% der Schreibfälle ab.

Ø Bei der Worttrennung reicht es zu wissen, dass man nach Sprechsilben trennt und bei mehreren Konsonanten der letzte in die neue Zeile kommt.

Ø Wörter mit demselben Stamm gehören zusammen. Man lernt also in Wortfamilien. Ein und derselbe Wortstamm wird überall in derselben Weise geschrieben, d.h. die Schreibung der Wortstämme bleibt bei der Flexion der Wörter, in Zusammensetzungen und Ableitungen weitgehend konstant. Dies macht es in vielen Fällen möglich, die Schreibung eines Wortes aus verwandten Wörtern zu erschließen. Ein Hinweis für den Lehrer ist, dass er die Langformen bilden lässt, um zu zeigen, wie der Stamm geschrieben wird (TagTages; RadRades u.a.).

Ø Fast alle deutschen Wörter, in denen ein langes [i:] vorkommt, werden ie geschrieben, in Fremdwörtern wird ein i geschrieben.

Beim Erlernen der Rechtschreibung kommt es oft darauf an, Zusammengehöriges aufzuspüren, Analogien zu finden. Die Schreibung vieler Wörter lernt man am besten im Zusammenhang mit der Grammatik. Es sei nur ein Beispiel angeführt: Lernt man bei Grammatik die Konjugation der Verben, so können aus dem vorher erwähnten Übungsbuch Die neue Rechtschreibung folgende Übungen gemacht werden: 44, 48, 49, 50, 51, 52, 53 durch die gleichzeitig die s-Schreibung geübt wird. Will man gewisse Probleme der Getrennt- und Zusammenschreibung üben und festigen, so kann man die Übungen 65, 66, 69, 70 machen.

Die Rechtschreibung hat einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft. Wir können uns der Meinung von Eisenberg/Butt anschließen:“ Der Schriftspracherwerb ist in der Biographie jedes Einzelnen ein wichtiger Einschnitt, verbunden mit einer erheblichen Erweiterung des Horizonts, aber auch mit Misserfolgen und Ängsten. Wer das Schreiben und die Orthographie meistert, gewinnt ein neues Verhältnis zu seiner Sprache und den Möglichkeiten, die sie bietet“ (Eisenberg/Butt 1996: 4).

 

Literatur:

1.     Bauer, G.: Rechtschreibreform, München, 1996.

2.     Bertelsmann: Die neue deutsche Rechtschreibung, verfasst von U. Hermann: völlig neu bearbeitet u. erweitert von Prof. Dr. L. Götze, München, 1996.

3.     Beuschel–Menze, H. / Menze, F.: Die neue Rechtschreibung. Wörter und Regeln leicht gelernt, Reinbek bei Hamburg, 1997.

4.     Blüml, K./ Ebner, J.: Die deutsche Rechtschreibung, Wien, 1997.

5.     Bünting, K. D.: Deutsches Wörterbuch. Mit der neuen Rechtschreibung, Chur/Schweiz 1996.

6.     Duden: Die deutsche Rechtschreibung, Bd. 1, 21. Aufl., Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich, 1996.

7.     Ebner, J. / Fussy, H.: RECHTSCHREIBUNG NEU. Eine Einführung in die neue Orthographie, 8. Auflage. Stand:1. Februar 1999, Wien, 1999.

8.     Eisenberg, P. / Butt, H.: Ratgeber. Rechtschreibung. Für Eltern, Schüler und alle, die schreiben, Berlin, 1996.

9.     Eisenberg, P.: Die neue Rechtschreibung. Das Wichtigste kurz und bündig. Mit praktischen Hinweisen für Lehrerinnen und Lehrer, Hannover, 1996.

10.  Heller, K.: Reform der deutschen Rechtschreibung. Die Neuregelung auf einen Blick, Bertelsmann Lexikon Verlag, 1996.

11.  Marki, Marianne / Ionaº, Angelika: Die neue Rechtschreibung. Ein Lehr- und Arbeitsbuch, Temeswar, 2000.

12.  *** Das neue deutsche Wörterbuch für Schule und Beruf, München, 1997.


 

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Zeitschrift der Germanisten Rumäniens (ZGR), Jg. 9, Heft 17-18 / 2000, S.305-311

 

 

Coordonator sectiune: Madalina Marcu | Asistenti: Cristina Caramihai | Andreea Baranga

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