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Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumäniens (ZGR), 9. Jg., Heft 17-18 / 2000, S. 216-221

 

 

Kofferwörter: Das Affenteuer der Wortverschmelzung

 

Oana-Nora Cãpãþânã


 

1. Begriffsbestimmung

Die Sprache - als Spiegel der sich ständig verändernden Umwelt, aller Erfindungen und neuen Erkenntnisse, der Wandlungen im Zusammenleben der Menschen - hat sich stets den entstehenden kommunikativen Bedürfnissen anzupassen. Das geschieht vor allem durch den kontinuierlichen Ausbau des Wortschatzes, als des beweglichsten Teils eines jeden Sprachsystems. Dazu stehen verschiedene Mittel zur Verfügung, wie etwa die Bedeutungserweiterung, die Bedeutungsverschiebung, die Entlehnung und insbesondere die Wortbildung.

Unter den Arten der Wortbildung fordert die Wortmischung oder Wortverschmelzung einen eigenen Platz. Von den Zusammensetzungen unterscheiden sich diese Bildungen dadurch, daß nur Teile (meist) zweier Wörter oder Wortstämme zu einem neuen verschmelzen, indem sie ineinander greifen oder nach Art der Zusammensetzung aufeinander folgen. Von den Ableitungen sind sie dadurch zu differenzieren, daß sie nicht als Wortbildungsmuster - mit denselben Bildungsmitteln - weiter wirken. Allerdings ist die Abgrenzung der Gebiete nicht gänzlich durchzuführen.

Zur Benennung dieser besonderen Art der Wortbildung gibt es eine Vielfalt von Termini: Kontamination, Blending, Haplologische Zusammensetzung, Wortmischung, Wortverschmelzung oder Wortkreuzung. Die aus dieser originellen Kombination resultierenden Ausdrücke werden als Port(e)man-teau-[1] oder Kofferwörter[2], blends, Amalgam, Hybrid- oder Kombi-Wörter[3] bezeichnet. Im französischen Raum sind Begriffe wie „mots-valises“, „mots en portefeuille“, „mots-cen-taure“, „mots-tiroir“ (Schubladenwörter), „com-promots“, “mots-métis, „mots-sand-wiches“ anzutreffen. (vgl. Reboul 1996: 197).

All diese Benennungen weisen auf  „Vorgang und Ergebnis der Kreuzung bzw. Verschmelzung zweier Ausdrücke zu einem neuen Ausdruck“ hin (Bußmann 1990: 416). Diese Bildungsweise ist durch gewisse Regeln, vor allem phonetisch-phonemischer Art, bestimmt. So betont Grésillon (1983: 201 f., zit. nach Reboul), daß zwischen den Konstituenten eine Beziehung der Homophonie bestehen soll. Aufgrund eines gemeinsamen homophonen oder ähnlich klingenden Segments können die beiden Wörter verschränkt werden, wie etwa im Beispiel: famillionär > familiär + Millionär, wo [milj] den homophonen Teil darstellt.

Bei der Bildung von Kofferwörtern lassen sich verschiedene Vorgehensweisen erkennen (vgl. Bußmann 1990: 416 und Heibert 1993: 76).

Im Falle der haplologischen (vereinfachenden) Zusammenziehung, die ein Ineinanderschieben von zwei Lexemen bedeutet, sind der letzte Teil des ersten Wortes und der erste Teil des zweiten identisch und überlagern sich bei der Zusammensetzung, oder aber wird die Kontamination durch die einfache Überschneidung von Laut- und Silbenelementen begünstigt: mondän; Sparschweinerei; Katzenjammertal; Giftzahnarzt; Tränensackgasse, Lolitaneien; Kurlaub; Polizeitung; Fußballade.

Ein anderer Typ von Kofferwörtern wird mit Wortsplittern erzeugt: Demokratur; Bullizisten; Medizyniker; brunch > breakfast + lunch; smog > smoke + fog; motel > motor + hotel; jein > ja + nein.

Andere Neubildungen kommen zustande mittels Ersetzung eines der Ausgangselemente durch ein ähnlich klingendes Lexem: Millionarr, akadämlich; Sprühling, Daktilogräfin. Manche Kofferwörter entstehen als orthographische Variante, die nur vom Schriftbild her als Produkte der Kontamination erkennbar sind: Schlawiener; Bonnzen; Labyrind; UNOrdnung; BRDigen.

Auf der Ebene des Signifikats erfolgt die Wortmischung zwischen zwei bedeutungs- oder formverwandten Wörtern, die im (Unter)bewußtsein, in der Vorstellung des Sprechenden gleichzeitig auftreten (Henzen 1957: 249). Die Bedeutung des neugebildeten Begriffs läßt im allgemeinen keine Bestimmungswort - Grundwort -  Beziehung erkennen, wie im Falle der „traditionellen“ Zusammensetzungen. Die Gesamtbedeutung ergibt sich aus der Verknüpfung der Signifikate beider verschmolzenen Lexeme, die in einem Verhältnis der Ko-Prädikation zueinander stehen (Reboul 1996: 202). Die beiden Signifikate funktionieren nicht alternativ, sondern sind notwendigerweise ko-präsent.

So hat zum Beispiel ein Famillionär die simultane Eigenschaft, ein Millionär und familiär im Umgang mit den anderen zu sein. Das Oxymoron Demokratur weist in satirischer Absicht auf ein Regierungssystem hin, das sich heuchlerisch für eine Demokratie erklärt, während es im Grunde seine Herrschaft diktatorisch ausübt.

Im Kofferwort sind die verschmolzenen Lexeme nur durch ein repräsentatives Fragment ihres Ausdrucks vertreten, das ihre Identifizierung durch Assoziation ermöglicht. Die Wortkreuzung folgt nicht den traditionellen Wortbildungsmustern angebotenen Möglichkeiten, sondern nutzt die Ausdrucksökonomie der Sprache syntagmatisch, durch Verschmelzung der Lexeme unter Ersparnis gemeinsamer oder ähnlicher Phoneme.

Die Kohärenz des neuen Wortes hängt nicht vorrangig von der Ausdrucks-Gemeinsamkeit der beiden verarbeiteten Lexeme ab, sondern vielmehr vom Gelingen der Assoziation auf die partiell vertretenen bekannten Lexeme. (Heibert 1993: 75)

Alain Finkielkraut, der ein ganzes „Fictionnaire“ geistreicher Kofferwörter zusammengestellt hat, liefert das genaue Rezept zur Herstellung solcher Bildungen:

„Nehmen Sie ein Wort aus der Sprache. Wählen Sie lieber eins, das lang genug ist. Vergessen Sie seine Bedeutung, damit Sie sich nur seine Physiognomie einprägen können. Langsam, geduldsam (das hier ist ein Sonntagsspiel), starren Sie Ihre Vokabel an. Wenn Ihnen das Glück lächelt, wird in Ihrem Bewußtsein ein Wort auftauchen, das eine gewisse Ähnlichkeit zum ersten aufweist. Nun beginnt eine heikle Unternehmung: die beiden Termini müssen verschmelzen; Sie müssen sie kreuzen, so daß aus dieser Vereinigung ein kleiner Mischling hervortritt, der byzarr erscheint (weil er in keinem bestehenden Wörterbuch anzutreffen ist) und zugleich familiär ist (weil man in ihm die zwei Herkunftswörter erkennt) […] Aber lassen Sie sich nicht betäuben. Das Spiel geht weiter. Suchen Sie jetzt eine Definition für diesen neuen Ausdruck. Indem Sie die Bedeutungen der Wörter vermischen, die in Ihrem Koffer verschlossen sind, werden Sie ein komplexes Gefühl hervorrufen.[4] (Finkielkraut 1979, zit. nach Reboul 1996: 205)

2. Kofferwörter in der Mundart und in der mundartsprachlichen Umgangssprache

Das Phänomen der Kontamination ist auch in der Mundart und der mundartlichen Umgangssprache anzutreffen (vgl. Fleischer 1983: 236 und Henzen 1957: 249f.), etwa als Kreuzung des gleichen Wortes in verschiedener Lautform: Dorf + Derp >Derf (im östlichen Hochpreußischen); zwölf + twälf > twölf oder zwälf (am Niederrhein), oder als Kreuzung von verschiedenen Wörtern: Erdapfel + Kartoffel > Erdtoffel (um Magdeburg gebräuchlich); Deichsel + Geißel > Geigsel; Buchweizen + Heidekorn > Heideweizen (im Saargebiet); ärren (pflügen) + ackern > (z)äckern.

Solche Wortmischungen kommen gewöhnlich zustande aus konkurrierenden Wörtern in mundartlichen Grenzgebieten oder aus dem Nebeneinander veraltender und jüngerer Bezeichnungen. Sie werden auch Kompromißformen genannt. (Fleischer 1983: 236).

3. Kofferwörter werden ins Leben gerufen und in den Wortschatz eingeführt aus der Notwendigkeit heraus, Erfindungen oder neue Sachverhältnisse ökonomisch und einprägsam zu bezeichnen. Meist werden sie aber in scherzhafter oder satirischer Absicht geschaffen, als originelle Produkte der spielerischen Phantasie. Dann bleiben sie gewöhnlich „Eintagsfliegen“ und gehören nur dem Idiolekt eines Autors oder dem Stil einer Zeitschrift an. Nur wenige davon gehen in den usuellen Sprachgebrauch über.

3.1 Kofferwörter in den technischen Fachsprachen

Die moderne Wissenschaft und Technik sind verantwortlich für eine große Anzahl von Neubildungen, unter denen auch Kofferwörter zu erkennen sind. Angesichts der Fülle von neuen Verfahren, Gegenständen, Sachverhalten, Eigenschaften, die sämtlich bezeichnet sein wollen - und zwar möglichst eindeutig - ist für die Fachleute in den verschiedenen Wissenschaftsbereichen die Benennungsproblematik eine vorrangige. Dem Streben nach Kürze, nach einem beschleunigten Tempo sowohl der Übermittlung von Informationen beim Sender als auch der Aufnahme beim Rezipienten, und zugleich nach einer einprägsamen Form der neu eingeführten Termini werden Kofferwörter zweifelsohne gerecht. Hier ein paar Beispiele häufig verwendeter Fachausdrücke dieses Wortbildungstyps, von denen manche sich so fest in der Sprache eingebürgert haben, daß sie nicht mehr als Produkt der Verschmelzung zweier selbständiger Wörter wahrgenommen werden: Ester > Essig + Äther; Isotron > Isotop + Elektron; Modem > Modulator + Demodulator; (engl.) ellectrocution > electric + execution; (engl.) quasar > quasi + stellar (sternähnliches Objekt); (engl.) transistor > transfer + resistor.

Berücksichtigt man den immer größeren Einfluß, den die Computertechnologie auf Berufs- und Privatleben ausübt, so ist es kaum verwunderlich, daß eine Menge neue Wortschöpfungen der Fachsprache der EDV entstammen. Bereits 1993 hatte der fachbezogene Teilwortschatz der Computertechnologie laut Sigurd Wichter „rund 0,3 Prozent Anteil am gemeinsprachlichen und fachsprachen-zugewandten Wortschatz“ erreicht (Wichter 1994: 30, zit. nach Hoffmann 1998: 15).

Recht verwunderlich ist es jedoch, daß, trotz der Schnellebigkeit der Computer-industrie, viele dieser Wortschöpfungen (insbesondere der Akronyme) überdauern und teilweise in den allgemeinen Sprachgebrauch übergehen. Das beste Beispiel eines Kofferwortes aus der EDV-Sprache, das Ende der 50er Jahre eingeführt wurde und heute zum festen Bestandteil des Wortschatzes gehört, ist die Wortkreuzung Informatik, die aus Information und Automatik zusammengefügt wurde und „automatische Informationsverarbeitung“ bedeutet.

Motiviert scheint die häufige Verwendung von Wortschöpfungen aus dem Bereich EDV, neben der lexikalischen Ökonomie, durch einen gewissen fachsprachlichen Gruppenzwang. Allgemein ist festzustellen, daß in vielen Fällen englische Neubildungen entlehnt und anschließend eingebürgert werden.

Vor allem in der Presse und in der Werbung für Computerzubehör tauchen spielerische Erscheinungsformen der Neuschöpfung auf. Oft sind auch Überlappungen auf lautlicher oder graphemischer Ebene zu erkennen: bit > binary digit; Edutainment > education + entertainment (spielerische Wissens-vermittlung mit Hilfe von Computern); Telematik > Telekommunikation + Informatik; LexiROM > Lexikon + CDROM; pixel > picture + element.

Ein anderes interessantes Beispiel ist die Neuschöpfung Emoticon, zusammengesetzt aus (engl.) emotion (Gefühl) + icon (Bild), deren Inhalts sich Internet-Nutzer in ihrer elektronischen Post bedienen. Mit wenigen Tasten, durch die erfinderisch-spielerische Kombination von Interpunktionszeichen, können Gefühle und Stimmungen per e-mail anschaulich mitgeteilt werden. Zur Entzifferung der Emoticons ist der Kopf auf die linke Schulter zu legen:

 :-) (Smiley) drückt Freude und gute Laune aus, :-( (Frownie) Ärger oder Traurigkeit;

 :-/ ist Emoticon für Skeptik, :-o für Erstaunen; :-x symbolisiert einen Kuß; ;-) das Augenzwinkern steht für einen Flirtversuch oder eine provozierende Bemerkung; % -) ist das Symbol eines müden Internet-Nutzers, dem das stundenlange Starren auf den Bildschirm nun reicht.(vgl. WaS 7/98 S.52 und JUMA. Das Jugendmagazin. 3/ 98 S. 48)

3.2 Kofferwörter in der Mediensprache

Im modernen Leben spielen die Massenmedien bei der Einführung und Verbreitung neuer Wörter und der mit ihnen verbundenen Vorstellungen die führende Rolle. Die Sprache der Medien, speziell der Werbung und der Unterhaltungsbranche, erweist sich als eine unerschöpfliche Quelle von originellen Wortkreuzungen. Diese werden da oft, außer zum Zwecke der anschaulichen Namengebung, zur Erzielung eines besonderen sprachlichen Effekts eingesetzt, zur Auflockerung des Stils durch Humor und Ironie, zur Formulierung von satirischen Anspielungen, ja sogar zum regelrechten Austeilen von Seitenhieben. Sie ergeben eine Technik der Suggestion, des Durchblicken-Lassens. Wie die Pressesprache mit konnotativen Ressourcen spielt, zeigen zum Beispiel folgende Schöpfungen der Nachwendezeit: Ostalgie, Ossimilation, Wossi, EGONomie, sich einKRENZen oder verKOHLen lassen, KOHLonie oder der neuere Begriff Feschismus, bezogen auf den umstrittenen Jörg Haider, der seine politische Karriere bekanntlich durch ein durch die Medien gestyltes Bild zu begünstigen versucht: jugendliches Aussehen, modische Kleidung, sportliche Posen und Frisuren (Die Zeit 11/ 2000: S.46). Aus der rumänischen satirischen Presse könnten an dieser Stelle etwa die suggestiven, von der Zeitschrift „Academia Caþavencu“ eingeprägten Begriffe loviluþie oder guvernul burghezo-moºiliesc zitiert werden (siehe weiter unten).

Andere Beispiele aus dem Bereich der Mediensprache: Cinemagie > Cinema + Magie; Cinemarxist > Cinema + Marxist; Televangelist > television+ evangelist; ProTVara > ProTV + vara; Texterioare > texte + exterioare (die neueste LP von Alexandru Andrieº); Fenomental > fenomenal + mental (Titel einer LP der rumänischen Band „Viþa de vie“); Vacarena > Vãcãroiu + Macarena (Titel einer Show der Humoristengruppe Divertis); Fußballetristik > Fußball + Belletristik; Frivolitätigkeitsbericht > Frivolität + Tätigkeitsbericht; Philosophaselei > Philosophie + Faselei; Phalluzination > Phallus + Halluzination; Snoblesse > Snob + Noblesse; Somnambuhle > Somnambule + Buhle; ionescomisch > Ionesco + komisch; viele Bildungen mit „Sex“: sexzentrisch; Sexport; sexaltiert; Sexeget; Sexpansion.

Die Werbesprache greift auch zu Kofferwörtern, um ihre Aussage ausdrucksstärker, bildhafter und überzeugender zu gestalten. So werden zum Beispiel Warenbezeichnungen durch Kontamination kreiert: Revitalift > revitaliser + lifting; Swatch > Swiss + watch; Pictionary > picture + dictionary (ein Gesellschaftsspiel); (frz.) taxiflet > taxi + sifflet (eine Pfeife zum Rufen von Taxis).

3. 3. Kofferwörter in der Literatur

Aber einen echten Tummelplatz für Kofferwörter gibt die Literatur ab, vor allem die humoristische Schreibweise, die zur Erzeugung von Komik und deren Spielarten wie Ironie, Satire, Parodie ähnlich klingende Wörter verquickt.

An erster Reihe ist da Lewis Carrol zu nennen, der 1872 in seinem Alice-Buch „Through the Looking Glass“ das Phänomen der Wortverschmelzung beschreibt und die daraus resultierenden Neubildungen als „portmanteau“-Wörter bezeichnet: „You see, it´s like a portmanteau[5] - there are two meanings packed into one word“ (Quinion 1996: 1). Die skurrilen Wortmischungen in seinem Nonsense-Gedicht „Jabberwocky“ lösten in England eine wahre Mode aus.

Im französichen Raum stammen geistreiche Kofferwörter u.a. von Honoré de Balzac: mélancolisé > mélancolique + alcoolisé, Louis Aragon: concubiste > concubin + cubiste, R. Etiemble: franglais > francais + anglais, Eugène Ionesco: cordoléances > condoléances + cordial, J. Rostand: ridicoculiser > ridiculiser + cocu, Boris Vian: parlamenteur > parlament + menteur.

In der deutschen Literatur tut sich Heinrich Heine als Schöpfer von Wortmischungen hervor, etwa mit: affenteuerlich (Fleischer 1995: 47), das Beelzebübchen Amor (Heine 1947: 190), famillionär, Millionarr, Millonärrin (ebda: 234; 239), konfiszierliche Bücher (ebda: 306), aristokrätzig (ebda: 324) beschränkte Melankolik, Kokainszeichen, Zeitgenossenschaft (Henzen 1957: 255). Das Spiel mit der Sprache, das auch Karl Valentins Schaffen kennzeichnet, läßt originelle Verschmelzungen entstehen, wie: Stillentium > still + silentium, Funktäne > Funke + Fontäne, Wolkenbruchbänder oder Verballhornungen: hundsgemein, Strumpfbandführer u.a. (Schulte 1968: 97).

Die „linguistische schöpferische Unstäte“ (Tohãneanu 1969: 184) des berühmten rumänischen Erzählers Ion Creangã, dieses „schelmischen Wortdrehers“ (ebda) hat ebenso einige amüsante Wortverquickungen hervorgebracht: nepurcele > nepoate + purcele, das euphemisierende furloase> furase+ luase, Pãsãri-Lãþi-Lungilã oder die Verwünschung: „Dumnezeu sã-l iepure pe popa Buligã!“ (ebda)

Spielerisch verballhornend und vermischend geht auch der Jassyer Philologe und Publizist Luca Piþu vor: ubucureºtean/ ubucureºtenesc (Piþu 1996: 5), ubucovinean (ebda: 147), gordianemic (ebda: 194), francofoanfã (ebda 200).

4. Verschmelzung von Syntagmen

Analog zu den oben dargestellten Wortkombinationen sind auch Kombinationen von Syntagmen möglich, die gemeinsame homonyme, homophone oder paronyme Lexeme aufweisen. Die verquickten Syntagmen sind meist Redewendungen, Sprichwörter, feste Fügungen oder auch Eigennamen. In diesem Fall werden die Wortgruppen entweder ineinander geschoben, wobei sich die Kontaktlexeme jeweils am Ende des einen bzw. am Anfang des anderen Syntagmas befinden (vgl. Heibert 1993: 77): bread-and butterfly[6], Ohropax-vobiscum oder ineinandergebaut, unter Ersparnis gemeinsamer oder paronymer Lexeme: Hyde and Jekyll Park[7], auf Stuyvesant gebaut (Heibert 1993: 102).

Die kohärenten Bedeutungen der Syntagmen werden eindeutig und intakt übermittelt und additiv-sukzessiv angeknüpft.

Derartige skurril kombinierte Lexemsequenzen sind zum Wahrzeichen der rumänischen satirischen Zeitschrift „Academia Caþavencu“ geworden, deren Mitarbeiter sich bekanntlich solcher suggestiven Wortspiele bedienen, um ihre Pamphlete zu unterzeichnen. Oft stößt man auf amüsante Verballhornungen von Eigennamen - einen Griff, dessen man sich ja vorzugsweise in humoristisch-satirischen Zeitschriften bedient (man denke an King- Kohl oder Autrichelieu- für den österreichischen Bundeskanzler Seipel):

Ion Sãneculce (AC 13/2000: 14); Cronicarul Grigore dupã Ureche (AC 8/1999: 6); Preafericitul Tractorist (AC 28/1999: 6); Sãrmanul ªorick (AC 40/1999: 13); Yehudi ªmenuhin (28/1999: 2); Hilara Clinton (AC 31/1999: 13); Bucureºti, micul Parizer (AC 51-52/1999-2000: 6); Jurasic Porc (ebda: 12); Domnul Embargoe (AC 50/1998: 9); Pavel Corupþ (AC 48/1999: 8); Remeºterul Manole (AC 40/1998: 4); Doru Ioan Tãbãcilã (AC 35/1999: 10); Duru Georgescu (AC 50/1998: 13) Bârzoe Petre (AC 13/2000: 7); Emiliescu sau Ionstantinescu (AC 19/2000: 2)

Die unfehlbare Absicht der sprachschöpferischen Caþavencu-Schreiber ist es, in möglichst knapper und expressiv kondensierter Form politische und ökonomische Mißstände und Unsitten zu geißeln, Persönlichkeiten und Institutionen aus den verschiedensten Bereichen der Öffentlichkeit ins Lächerliche zu ziehen. Was ihnen auch jedesmal gelingt:

Afrontul Salvãrii Naþionale (AC 51-52/1999-2000: 13); Economia de paiaþã (AC 6/2000: 4); AgenCIA de presã (ebda 13); Credit ºi nu cerceta (AC 17/1998: 10); CDR ºi nu cerceta (AC 26/1998: 11); Emilenþa cenuºie (AC 40/1999: 2); Alegeri aniticipãtate (AC 24/1999: 9); Deserviciul Român de Informaþii (AC 31/1999: 13); Marx-media (AC 40/1998: 9); Moº Ion Roatã ºi Uimirea (AC 8/1999: 9); Cotcodacii liberi (AC 20/ 1999: 10); Dan Iosif ºi fraþii sãi (AC 48/1999: 14); SAFI sau a nu fi (AC 8/1999: 4); Camera Derutaþilor (AC 16/ 1999: 13).

5. Kofferwörter im Sprachunterricht

Das Phänomen der Wortmischung kann didaktische Verwertung finden, indem die Bildung von Kofferwörtern als lexikalische Übung zur Förderung der Kreativität und der flexiblen Handhabung von Sprache effektiv im Sprachunterricht eingesetzt wird. Das Analysieren und Erfinden von Hybridwörtern, die amüsante Nebenassoziationen auslösen, aktiviert die Phantasie der Lerner, festigt und verfeinert ihre Wortschatzkenntnisse und entwickelt ihr Sprachgefühl, was auch dadurch begünstigt wird, daß dieses Unternehmen richtig Spaß macht. So lassen sich zum Beispiel neue Berufe erfinden, wie Verstandesbeamter, Hochzeitsnachtwächter, Studentistin, Intellektor, Psychemiker, Paukeramiker, Europastor oder Rebusfahrer (Ulrich 1995: 152), phantastische Tiere schöpfen (Schweinhorn, Hamsteroid, Mauster, Pferdferkel usw.) oder sonstige amüsante, das Denken anregende Begriffe schaffen, wie etwa die von Kurt Kusenberg vorgeschlagenen „Kombiwörter„: Tapetenmusterehe, Übermorgenrot, Feierabendstern, Judaslohnsteuer, Atompilzsammler, Blödsinngebung, Diebstahlindustrie, Narkosewort (Ulrich 1995: 152 f.). Ebenso anregend kann der Versuch sein, passende Definitionen für gegebene Kofferwörter zu formulieren oder alberne Rätselfragen zu Nonsense-Wörtern zu erfinden:

        Was ist süß und schwingt sich von Ast zu Ast? – Tarzipan.

        Was ist orange und spaziert den Berg hinauf?- Eine Wanderine.

        Was ist grün, krumm und hinter Gittern?- Eine Schurke.

        Was ist schwarz und sitzt in der Kirche ganz vorne? – Eine Frombeere.

Der Phantasie und Freude an Sprachspielereien sind keine Grenzen gesetzt, was positiven Einfluß auf die Arbeitsatmosphäre, die Motivation der Lerner und auf die Wirksamkeit des die Kreativität fördernden Sprachunterrichts hat.

 

 

 

Literatur:

1.     Bertrand, Didier: Mots-valises. In: 40 ans de d­efense de la langue française 1952-1992.

2.     Revue n° 154, Juillet-Août-Septembre 1990. édition électronique 1995

3.     Bußmann, Hadumod: Lexikon der Sprachwissenschaft. 2., völlig neu bearbeitete Auflage,  Kröner, Stuttgart  1990.

4.     Carstensen, Broder: Spiegel-Wörter Spiegel-Worte. Zur Sprache eines deutschen Nachrichtenmagazins. 1. Auflage, Max Hueber Verlag, München 1971.

5.     Fleischer, Wolfgang / Irmhild Barz: Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache. 2., durchges. und erg. Aufl., Niemeyer Verlag, Tübingen 1995.

6.     Heibert, Frank: Das Wortspiel als Stilmittel und seine Übersetzung: am Beispiel von sieben Übersetzungen des „Ulysses“ von James Joyce. Narr, Tübingen 1933 (= Kodikas, Code: Supplement; 20).

7.     Henzen, Walter: Deutsche Wortbildung. 2., verbesserte Auflage,  Max Niemeyer Verlag, Tübingen 1957.

8.     Hoffmann, Birgit: Wortschöpfung in der Fachsprache der EDV. 1998 http:// www.ku-eichstaett.de/

9.     Macho, Thomas: Haider und die Zukunft. Politik unter den Bedingungen der dritten Technischen Revolution. In: Die Zeit. Nr. 11., 9 März 2000, S. 46.

10.  Piþu, Luca:         Naveta esenþialã. ªotii patafizice pe ºantierul deconstrucþiei. Ediþia a doua: Revizuitã, titiritã ºi augmentatã.  Editura Moldova, Iaºi 1996.

11.  Quinion, Michael B.: Through the Blender. New words, portmanteau style. Words@ quinion.com

12.  Reboul, Sandrine: Les mots-valises: de la création ludique à la dénomination. In: Herrmann, Michael u. Karl Hölz (Hrsg.): Sprachspiele und Sprachkomik. Jeux de mots et comique verbal. Akten des Kolloquiums im Rahmen des Erasmus-Netzes der Universitäten Paris-X-Nanterre, Duisburg und Trier. 12. bis 13. Mai 1995, Trier. Frankfurt am Main u.a: Peter Lang. Europäischer Verlag der Wissenschaften 1996 (=Trierer Studien zur Literatur; Bd. 29) S.197-219.

13.  Reinhold, C.F. (Hrsg.): Heine, Heinrich. Eine Auswahl aus seinen Werken. Berlin: Verlag des Druckhauses Tempelhof 1047(= Die Buchreihe für Jedermann)

14.  Schulte, Michael: Karl Valentin in Selbstzeugnissen und Dokumenten.  Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1968 (rowohlts monographien; 144).

15.  Tohãneanu, Gheorghe: Stilul artistic al lui Ion Creangã.  Editura ªtiinþificã, Bucureºti 1969.

16.  Ulrich, Winfried: Linguistik für den Deutschunterricht. 6. Auflage, Hahner Verlagsgesellschaft, Aachen-Hahn 1995.

17.  ***    Academia Caþavencu Nr. 17, 26, 40, 50/ 1998; Nr. 8, 16, 20, 24, 28, 31, 35, 40, 48/ 1999; Nr. 51-52/ 1999-2000; Nr. 6, 13, 19/ 2000

18.  *** JUMA. Das Jugendmagazin 3/ 1998

19.  ***    Welt am Sonntag, Nr. 7 1998

 

Abkürzungen

AC = Academia Caþavencu

WaS = Welt am Sonntag


 


[1] Eingeführt von Lewis Carroll in Through the Looking-Glass.

[2] Vorgeschlagen von Grésillon in: Les mots-valises: régularités et irrégularités, étude d’un corpus de H. Heine. Doctorat d’Etat, Université Paris VIII 1983, zit. bei Reboul 1996: 197.

[3] Bei Kurt Kusenberg in: Ulrich, Winfried: Linguistik für den Deutschunterricht. 6. Auflage. Aachen-Hahn: Hahner Verlagsgesellschaft 1995, S. 152.

[4] Übersetzung der Verfasserin aus dem Franz.

[5] portmanteau (frz., veralt.): ein großer Koffer für Kleider, mit Scharnieren in der Mitte, der sich in zwei Hälften öffnet.

[6] Lewis Carrol: Through the Looking Glass, zit. bei Heibert 1993: 77.

[7] Jacques Prévert, zit. bei Heibert 1993: 77.

 

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