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Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, 9. Jg., Heft 17-18 / 2000, S. 404-405

 

 

Bücher- und Zeitschriftenschau

 

Viera Chebenová - Vojtech Kovács: Phonetische Übungen.

Pedagogická fakulta Nitra, 1991. 131 S.

 

 

Dieses Buch stellt ein Skript für Studenten der Germanistik dar, das das Erlernen der angemessenen deutschen Aussprache erleichtern soll. Es beinhaltet eigentlich nur phonetische Übungen und keine theoretischen Abhandlungen. Die sollte man aus dazugehörigen Büchern einstudieren. In den letzten Jahren können wir erfreulicherweise den wachsenden Prozeß an neuen phonetischen Lehrbüchern beobachten. Auf dem Markt gibt es heutzutage genug theoretisch orientierte Phonetikbücher von Autoren wie z.B. R. Rausch, U. Hirschfeld, H. Dieling, G. Grove u. a. Den Autoren dieses Buches geht es also eigentlich nur darum, daß die Deutsch lernenden Studenten sich eine gepflegte und deutliche Aussprache aneignen, wie sie in allen Gebieten des deutschen Sprachbereichs als akzeptabel anerkannt wird.

Die Auswahl von Phonetikübungen ist durch eine phonologische Betrachtungsweise sowie durch den Vergleich von fremd- und muttersprachigen Gegebenheiten bestimmt. Es befinden sich hier Übungen zum Nachsprechen, Nachlesen (Vokale, Diphthonge, Konsonanten sowie Konsonantenverbindungen und ihre Variationen kommen hier vor: lange, kurze, geschlossene, offene, gespannte, ungespannte, betonte und unbetonte Laute). Die in den Übungen gebrauchten Wörter stellen eigentlich eine Auswahl aus dem Wortschatz der gewöhnlich gesprochenen deutschen Standardsprache dar und folgen alphabetisch hintereinander.

Die deutsche Aussprache übt man an den Nachsprechübungen, nach denen die Übungen mit Wortpaaren bzw. Wortreihen zum Unterscheiden von verschiedener Qualität deutscher Laute folgen. Als Beispiel soll der Vokal -e dienen: Wörter mit langem, gespanntem, geschlossenem [e:] in: Beet, Hefe, stehen; Wörter mit kurzem, gespanntem, geschlossenem [e] in den Fremdwörtern in: Idealismus, Chemie, Republik; Wörter mit kurzem, ungespanntem, offenem [ε] in: Bäcker, Herz, Menschen; Wörter mit langem, offenem [e:] in: Bären, jährlich, Märchen und Wörter mit kurzem, schwachem, reduziertem [] in: Liebe, Gebiet, schlafen, Tafel usw. Satzübungen sind hier auch zu finden und zwar zahlreiche Redewendungen und Sprichwörter. Dazu zählen die Autoren auch Zusatzübungen, die aus den Sätzen bestehen, die Wörter mit konkret geübten Lauten beinhalten. Man findet in diesen Satzübungen vor allem viele wichtige und interessante landeskundliche und interkulturelle Informationen wie z.B. beim Üben des Einsatzes der Vokale (”Riesa ist eine Industriestadt an der Elbe. Frankfurt an der Oder ist eine alte Industriestadt. Irland und Island sind Inseln. Auf diesen Inseln gibt es wenig Industrie.”).

Die deutschen Konsonanten werden in allen Positionen, also initial, medial und final geübt. Wenn es sich um eine Gruppe von stimmhaften und stimmlosen Konsonanten handelt, so werden sie zusammen geübt und ihre unterschiedliche Aussprache in den Unterscheidungsübungen konfrontiert und gelernt. Man findet hier Übungen zu allen Sprachlautvarianten der Konsonanten z. B. zum r-Laut: Wörter mit Zungenspitzen-r [r] in Rand, Ehre, Verwirrung, Spritze; Wörter mit Zäpfchen-r [R] in Großglockner, Druckerei, trocknen, Raabe, Schrift, Forelle; das Reibe-r in Harz, Sturm, paar und das reduzierte-r in er, für, Meer, Ohr, Tier usw.

Man kann auch den Einsatz der Vokale und den behauchten Vokaleinsatz an den dazugehörigen Übungen trainieren. Die Autoren vergessen nicht, die Behauchung in verschiedenen Positionen zu üben und auf Koartikulationsübungen hinzuweisen. Das Repertoire der phonetischen Übungen schließen Übungen zur deutschen Intonation und zwar zu dem Wortakzent und Satzakzent ab. Die Intonation wird nicht nur an den Wörtern und Sätzen geübt, sondern man bietet auch Übungen an, wo man richtig den Akzent markieren soll. Im Teil zur deutschen Intonation charakterisieren die Autoren die wichtigsten Melodieverläufe. Es sind kurze Informationen zum Gebrauch der steigenden, fallenden und weiterführenden Satzmelodie. Solche und ähnliche kurze Informationen würden wir auch bei anderen phonetischen Erscheinungen befürworten, damit die Lerner nicht immer nach umfangreichen theoretischen Büchern greifen müssen. Z.B. sollte man auch wissen, wie die Laute gebildet werden (Zungenlage, Mundöffnung), wie man sie in welcher Position richtig einübt, welche Laut- und Graphemrelationen für das Deutsche typisch sind usw.

Dieses Skript dient in erster Linie dem Aussprachetraining, trotzdem können die Lerner und Lehrer die Übungen auch zum Transkribieren, Diktieren, Nachsprechen, Imitieren  verwenden. Am Ende des Übungsteiles findet man einige Beispiele zur deutschen Intonation, es fehlen doch noch kurze literarische Passagen, an denen diese Erscheinungen besser geübt werden könnten. Wir würden außerdem Dialoge mit verschiedenen Alltagssituationen vorschlagen, die in der gesprochenen Sprache am häufigsten vorkommen. Es fehlen auch produktive, kreativ-produktive (in Verbindung mit Grammatik und Lexik), kommunikative (dialogische) Übungen, an denen man  die deutsche Aussprache und Intonation am besten trainieren kann.

Wir haben kein Tonband, keine Kassette oder CD zur Verfügung. Die Studenten sind nur an die Aussprache des Lehrers angewiesen. Als Ausgangssprache wird die slowakische Sprache berücksichtigt und die Übungen werden also konfrontativ gestaltet (die fremd- und muttersprachlichen Gegebenheiten werden  dabei verglichen), trotzdem fehlen uns hier eine Fehleranalyse und Hinweise zur Korrektur der Aussprache in Hinsicht auf die beiden Sprachen.

Das Buch ist so konzipiert, daß man nicht allmählich von Leichtem zum Schwierigen übergeht, die Vokale und Konsonanten werden alphabetisch geordnet. Jedem Laut wird ein Transkriptionszeichen zugeordnet. Zu den Ausspracheübungen gehören Übungen zur Vokal- und Konsonantenaussprache, aber auch zur Assimilation, Dissimilation und Koartikulation. Positiv können wir schätzen, daß die Autoren Wert auf die richtige Aussprache ähnlich klingender Sprachlaute und -varianten legen, und aus diesem Grunde gibt es hier sehr viele Übungen zum Nachsprechen und Gegenüberstellen. Man findet solche und ähnliche Oppositionsübungen in jedem phonetischen Übungsbuch und der Zweck dieser Übungen ist, die Aussprache ähnlich klingender Laute in einzelnen Wörtern der deutschen Sprache (mehr - Meer, bieten - bitten, fehlen - fällen usw.) zu verbessern.

Livia Adamcová


 

Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, 9. Jg., Heft 17-18 / 2000, S. 404-405

 

 

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